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Arzneimittel sind keine Konsumgüter

 

Arzneimittelwerbung kann leicht zum Geschäft mit den Ängsten und der Hoffnung kranker Menschen werden. Deshalb gelten spezielle Regeln für die Umsetzung. In der Praxis kommen grob betrachtet zwei sehr unterschiedliche Arten von Verstößen vor:

1. Schleichwerbung: Medienberichte handeln von häufigen Beschwerden, wie etwa Schlafstörungen. Sie empfehlen rezeptfreie Arzneien als schnelle, einfache und überaus wirksame Hilfe. Dabei nennen sie konkret Markenpräparate. Und – Überraschung! – es finden sich dann Anzeigen für dieselben Produkte in derselben oder der nächsten Ausgabe dieser Zeitung. Bloß Zufall? Wohl nicht immer. In der Praxis wird gerne von Empfehlungsmarketing gesprochen. Zumindest in einem Teil der Fälle handelt es sich eher um (bezahlte) Schleichwerbung.

2. Produktpiraterie: In Österreich ist Laienwerbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten (§ 51 Arzneimittelgesetz/AMG). Das gilt ebenso für den Online-Handel. Bestellungen von registrierten österreichischen Apotheken oder aus dem Ausland sind laut Gesetz auf rezeptfreie und in Österreich zugelassene und registrierte Arzneien beschränkt. Das Geschäft mit der Gesundheit blüht jedoch auf Internetportalen. Das größte Problem dabei? Illegal beworbene sind zumeist auch gefälschte Arzneimittel. Die Produktpiraterie birgt ein hohes Gesundheitsrisiko.

 

Gesetzes-Lage

 

Doch was ist nun dezidiert erlaubt in puncto Arzneimittelwerbung und Berichterstattung? Und was nicht?

Laut Österreichischem Arzneimittelgesetz (§ 50 AMG) gelten alle Maßnahmen zur Information, zur Marktuntersuchung und -bearbeitung sowie zur Schaffung von Anreizen mit dem Ziel, die Verschreibung, die Abgabe, den Verkauf oder den Verbrauch von Arzneimitteln zu fördern, als Werbung.

Nicht Werbung laut AMG sind u.a. Schriftwechsel und gegebenenfalls alle Unterlagen, die nicht Werbezwecken dienen und die zur Beantwortung einer konkreten Frage über ein bestimmtes Arzneimittel erforderlich sind. Sowie Infos über Gesundheit oder Krankheiten von Mensch und Tier, sofern darin nicht – auch nicht in indirekter Weise – auf ein Arzneimittel Bezug genommen wird.

Für Medikamente darf keine Werbung gemacht werden, bevor sie von der Behörde zum Verkauf oder zur Abgabe zugelassen oder registriert sind. Ausnahmen gibt es bei Fachwerbung im Rahmen von wissenschaftlichen Veranstaltungen (§ 54 AMG, Pharmig Verhaltenskodex).

Werbung für in Österreich zugelassene verschreibungspflichtige Arzneimittel ist (proaktiv) nur in Fachmedien zulässig, die sich an Fachleute wie Ärzte richten. Für verschreibungsfreie, so genannte OTC-Produkte, die auf dem österreichischen Markt zugelassen sind, ist Werbung in Laien- und Fachmedien zulässig. Die Art der Umsetzung unterliegt Regularien (§ 51-53 AMG). Eine „unerlässliche Information“ ist etwa der geläufige Stehsatz: „Über Wirkung und unerwünschte Nebenwirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.“ 

(www.jusline.at/gesetz/amg)

Die Österreichische Apothekerkammer begrüßt die Regularien: „Arzneimittel sind keine Konsumgüter. Der verantwortungsvolle und kritische Umgang mit Medikamenten ist für die Gesundheit der Patienten äußerst wichtig“, erklärt Präsidentin Mag. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr auf ExtraDienst-Anfrage. „Wir sprechen uns daher vehement gegen eine aggressive Preis- und Werbepolitik aus, die eine künstliche Nachfrage nach Medikamenten schafft und lediglich den Konsum, aber nicht die Gesundheit erhöht.“

 

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Bildcredit: Pixabay