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Die Erfolgsproduzenten Thomas Vacek, Oliver Auspitz, Alexander Glehr und Florian Gebhardt (von links nach rechts)

Österreichische Produktionen sind die Quoten-Hits. Doch die Infrastruktur der heimischen Film- und TV-Industrie droht auszutrocknen. Im ED-Gespräch werfen Branchenproponenten die brennendsten Probleme auf. Und entwickeln Ideen für eine Sicherung des österreichischen Medienstandortes und brechen eine Lanze für den ORF.

 

ED: Was müsste denn die nächste Regierung für die Attraktivierung des Produktionsstandortes Österreich möglichst rasch umsetzen?

Alexander Glehr: Es brennt an vielen Stellen. Man muss aber sagen, dass Österreich kein Entwicklungsland der Produktion ist, sondern eigentlich gute Voraussetzungen hat. Man merkt allerdings, dass uns die umliegenden Länder in vielerlei Hinsicht überholt haben. Es ist schade, dass schon viele Versprechungen der letzten Regierung, wie etwa die Erhöhung des Film- und Fernsehfonds, nicht umgesetzt wurden. Da muss man sicher dran bleiben. Auf der anderen Seite tut sich eine Perspektive auf, die die Medien- oder sogar die Kulturproduktion in Österreich grundsätzlich ändern kann. Und das ist das Steueranreizmodell. Das würde neues Geld in die Branche bringen, ohne dass die Fördertöpfe belastet werden. Man würde Österreich als Produktionsland und als Partner internationaler Projekte interessant machen.

ED: Was bedeutet das Steueranreizmodell?

Glehr: Es geht darum, Investitionen in Filmprojekte zu attraktivieren. Der Investor bezieht dabei einen steuerlichen Vorteil. Unser Vorbild ist das belgische Modell: Dort ist die Situation zu Frankreich in etwa vergleichbar mit jener Österreichs zu Deutschland. Belgien hat es durch ein kluges Modell geschafft, einen Großteil der französischen Produktionen ins Land zu holen, und so den Umsatz der Branche verdreifacht.

ED: In Frankreich gibt es eine Quote, und die Öffentlich-Rechtlichen müssen einen bestimmten Anteil an französischen Produktionen bringen. Wäre so eine Quote für Österreich wünschenswert?

Oliver Auspitz: Man muss für Österreich und den ORF eine Lanze brechen. Weil wir ein für seine Größenordnung sehr kapitalstarkes Land sind. Es gibt die Zusage des Generaldirektors, die er bis jetzt einhält, von 95 auf 100 Mio. und nächstes Jahr auf 105 Mio. aufzustocken. Das ist schon eine beachtliche Größe. Es gibt aber ein anderes Problem, das man lösen muss: Die Filmwirtschaft produziert, der ORF hat aber kein Geld zum Abspielen. Was passiert: Es liegt Material im Wert von derzeit 45 Mio. Euro auf Lager. Darunter „Cop-Stories“ oder „4 Frauen und ein Todesfall“. Man muss daher mitbedenken, ob Sender wie der ORF mit ihrer Bilanziertechnik auch eine Abspielung schaffen. Sonst wächst das Lagervolumen an, was nur dazu führen würde, dass das Vergabevolumen irgendwann drastisch gesenkt wird. Die Quote hätte, wenn überhaupt, Auswirkung auf die Privatsender. Wobei die, wenn man dazu Comedy, Unterhaltung und News zählt, ja auch ihren Job gut machen. Fiction wird dort derzeit nicht produziert. Denn das ist das Teuerste. Da muss man sein Programmbudget mindestens um 10 Mio. Euro aufstocken. Quote oder Vergabe bedingt immer etwas anderes und man muss beides klug zusammensetzen. Wie in Frankreich auch. Die haben es geschafft, mit der Quote die Sender zu einem gewissen Volumen zu bringen und dieses auch erfolgreich abzuspielen.

Glehr: Frankreich ist ein spezieller Fall, weil da ein anderes Kulturbewusstsein entwickelt wurde. Wie etwa, dass mittwochs kein Spielfilm im Fernsehen laufen darf. Das kann man nicht eins zu eins umlegen. Fix ist, das sieht man beim ORF, dass österreichisches Programm Quote bringt. Die Investition ist höher, dafür stärkt es die Definition des Senders und ist quotenstarkes Programm.

Thomas Vacek: Davon profitieren wir ja auch in den Shows, die exorbitant teuer sind. Weil sie eben nur einmal gespielt werden. Aber dort erreichen wir jedes Mal Top-Quoten, egal ob eine große ORF-Show wie „Große Chance der Chöre“ oder eine regelmäßige Show wie der „Witzestammtisch“ auf Puls 4.

Florian Gebhardt: Gerade das ist das Kapital, das die Österreichische Filmlandschaft mit den Sendern verbindet. Wir erzählen Geschichten, die etwas mit dem Land zu tun haben, in unserer Sprache mit unseren Schauspielern. Und mit viel kleineren Budgets als die internationale Ware. Erreichen damit aber weitaus höhere Quoten. Daran ist absehbar, wie nachhaltig und relevant unser Inhalt ist. Und er ist langfristig das Einzige, das unseren Sendern Bedeutung geben kann.

 

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Bildcredit: Philipp Hutter