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Trautes Heim, Glück allein: Das Leben im echten Biedermeier

Der Trend bei den Marketern und Kreativen geht immer mehr in Richtung Häuslichkeit: TV-Kampagnen, die den Rückzug ins eigene Heim romantisieren, punkten längst nicht mehr nur im Möbelsegment. Das postmoderne Biedermeier ist in der breiten Realität angekommen.

 

Ein alter VW-Käfer steckt auf einem tief verschneiten Waldweg fest. Die Räder drehen sich, aber nichts geht mehr. Drinnen: Ein jung verheiratetes Ehepaar auf dem Weg zu ihren Schwiegereltern. Draußen ist es kalt, drinnen brummt die Heizung. Die Scheibenwischer baggern Schnee zur Seite. Er öffnet die Geschenkpackung „Mon Cheri“ und holt sich ein Bonbon. Ihre Reaktion: „Aber die sind doch für meine Eltern?!“. Er zuckt die Schultern: „Fröhliche Weihnachten!“

Auch wenn man auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennt, dass es sich um einen Biedermeier-Spot handelt, so ist die süße Werbung doch eine perfekte inszenierte Homestory. Motto: „Wenn wir es schon nicht ins elterliche Heim schaffen, so sind wir trotzdem im Auto verlässlicher deutscher Provenienz geborgen.“ Alles wird gut, und in der virtuellen Zukunft des Spots warten Holzofenknistern und Lebkuchen-Odeur im Haus der Schwiegereltern. Der Retro-Spot von Merci ist vielleicht sogar das versteckteste Beispiel des Trends der Werber, Heimeligkeit, Ruhe und Geborgenheit in ihre Spots zu schmuggeln.

Anderswo wird ganz offen an das neue Biedermeier herangegangen. Während die Familie Putz meistens noch in inszenierten Möbelhäusern ihr Unwesen treibt, hat man etwa bei Leiner den Wertewandel schon vollzogen: „Der Leiner ist meiner“ ist zwar keine neue Zeile der Einrichter, wird aber nun ausschließlich ins Private transferiert. Die Kinder, die das Wohnzimmer zur Spielwiese umfunktionieren, die erschöpften Väter, die sich am Ende eines harten Tages auf die Couch fallen lassen, sind synonyme Bilder für das „Comeback der Spießer“, wie der Werbetrend in Deutschland längst genannt wird. Dort wirbt etwa die Deutsche Landesbausparkasse augenzwinkernd mit dem neuen Biedermeier in diversen Varianten und führte sogar ein kleines Mädchen ein, das trotzig darauf besteht, einmal „Spießer“ werden zu wollen.

Allerdings: Dieser Wertewandel, der sich in den letzten Jahren offenbart, sei mitnichten eine Erfindung der Werbebranche, sondern ganz einfach ein Wertewandel, der zunehmend spürbar würde.

 

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Autor: Walter Pohl

Bildcredit: YouTube