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© VÖP/Michael Gruber

Keine Angst vor der Konkurrenz 

Ernst Swoboda, Kronehit-Chef und Vorsitzender des Verbands Österreichischer Privatsender, über die drohende Privatradio-Konkurrenz.

ExtraDienst: Die KommAustria hat Ende Februar die zweite bundesweite Privatradiolizenz an die Mediengruppe Österreich vergeben. Haben Sie Angst vor der neuen Konkurrenz?

Ernst Swoboda: Nein, natürlich nicht. Ich wäre, das ist glaube ich kein Geheimnis, nicht froh gewesen, wenn es schon beim Start von Kronehit eine zweite bundesweite Zulassung gegeben hätte. Als wir uns entwickelt haben, so ab 2005, war ich ganz froh, dass wir der einzige bundesweite Sender waren. Zum einen, weil die Entwicklung dadurch natürlich leichter gefallen ist. Zum anderen, weil es so auch leichter war, die Lücken in unserem Netz zu schließen. Als bundesweiter Sender hat man Vorrang bei neu ausgeschriebenen Frequenzen. In unserer jetzigen Position halte ich allerdings einen zweiten oder auch einen dritten bundesweiten Sender für gut für das Privatradio. Weil es das Privatradio, und letzten Endes auch uns, stärkt. Es gibt heute kaum eine Werbekampagne, wo man sagt: „Die geht ohne Ö3.“ Ich habe die Vision von einer Zeit, wo man sagt: „Es gibt keine Kampagne ohne die drei bundesweiten Privatsender.“ Zeitweise habe ich sogar versucht, Unterstützung zu leisten, dass es einen Zweiten gibt. Idealerweise natürlich komplementär mit Kronehit, damit man dann den Werbekunden gute Pakete an- bieten kann. Es hat nie geklappt, jetzt kommt halt der Wolfgang Fellner. Ich nde das fast ein bisschen schade. Ich hätte mir schon gewünscht, dass es ein zweiter Bundesweiter wird, der schon bewiesen hat, dass er erfolgreich Radio machen kann. Ein star- ker Sender, mit dem man gemeinsam Stärke entwickeln kann. Wenn ich mir die bisherige Performance der Radios anschaue, die in dieser bundesweiten Zulassung zusammengefasst werden, dann kann schon der Eindruck einer vertanen Chance entstehen. Aber Fellner wird das nutzen, marketing- mäßig. Dass er jetzt kein 360 Grad-, sondern ein 720 Grad-Unternehmen hat. Aber ich glaube nicht, dass er am Markt viel verändern wird.

ED: Kronehit hat im Jänner das Logo, die Corporate Identity und den Claim neu gestaltet. Das neue Markengewand ist ein ziemlicher Unterschied zum vorigen. Bisher dunkel-seriös schwarz-gold, jetzt sehr knallig und bunt. Was war der Gedanke hinter der Neupositionierung und wie kommt das Facelift an? Swoboda: Alle Rückmeldungen, die wir bis jetzt bekommen haben, sind sehr gut. Es wirkt auf alle sehr frisch und fällt auf, was ja durchaus der Sinn einer Werbekampagne ist. Ich hoffe, dass die Positionierung auch rüber- kommt. Für uns ist das der Schluss- stein einer Entwicklung, wenn man so will. Wir haben – seit Kronehit gestartet ist – eine steile Aufwärtsbewegung gehabt, mit Umsatz- und Reichweitensteigerungen von 20 Prozent pro Jahr. Irgendwann, so um 2013, 2014, sind wir an unseren Plafond ge- stoßen. Was zu erwarten war und viel später als erwartet passiert ist, bei zirka einer Million Hörer. Dann war die erste Aufgabe zu realisieren, dass der „Steigflug“ jetzt zu einem „Reiseflug“ wird und es nicht mehr darum geht, jedes Jahr um 30 Prozent zu wachsen, sondern das erreichte hohe Niveau zu halten. Wir haben das, nachdem kurzzeitig die Reichweiten runtergegangen sind, sehr gut hinbekommen. Wir haben 2018 wieder ein Reich- weitenwachstum verzeichnet und die Umsätze wieder leicht steigern können. Jetzt sind wir auf „Normalbetrieb“, wenn man so will. Und da war jetzt die Neupositionierung das letzte Mosaiksteinchen. Ursprünglich haben wir den Menschen erklären müssen: „Wofür stehen wir eigentlich? Was ist unser Angebot?“ Deshalb war unsere Kommunikation nach außen praktisch nur produktspezifische Informationen: „Diese Stars spielen wir und die Musikquantität ist eine hohe.“ Auch das schwarz-goldene Design war beabsichtigt, um uns als seriöser als andere in der Privatradio- Anfangszeit darzustellen. Beides ist jetzt ein bisschen überholt. Die, die uns hören, wissen, was wir bieten. Die, die uns nicht hören, konnten wir damit nicht überzeugen. Das heißt, diese rein produktspezifische Kommunikation war eigentlich nicht mehr angebracht. Jetzt geht es eher um die Frage: „Was bieten wir den Menschen mehr als nur Musik?“ 

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 ExtraDienst 1-2/2019