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Kaum Politik- und noch weniger Kommunikationserfahrung in der neuen Bundesregierung

Während sich Twitteria und Co. und die Opposition erfahrungsgemäß darüber lustig machen oder den Untergang des Journalismus heraufdräuen sehen, halten Kommunikationsexperten aus verschiedenen Lagern die Message Control für grundsätzlich professionell und konkret auch gut umgesetzt. Selbst Dietmar Ecker, einst Ministersprecher, Wahlkampfmanager und Kommunikationschef auf SPÖ-Seite, meldete sich dazu via Kurier zu Wort. Er hatte nach seinem Polit-Ausstieg 1997 die PR-Agentur Ecker und Partner gegründet (aus der er 2015 wieder ausstieg) und zollt der Kommunikationsarbeit der Regierung generell aus handwerklicher Sicht Respekt, weit über den Gleichklang von Standpunkten hinaus. „Das ist nur ein Teil des Harmoniegeheimnisses von Türkis-Blau.“ Vielmehr verstehe man es auch, Themen indirekt zu lancieren oder die richtigen Personen sprechen zu lassen. Kurzum: Ecker vergibt der Regierung für ihre Kommunikationsstrategie insgesamt ein „Sehr Gut“.

„Schwer unter Kontrolle zu bringen“

ExtraDienst befragte speziell zum Thema „Message Control“ drei Experten, die allesamt einen ganz unterschiedlichen Zugang zur politischen Kommunikation mitbringen. Yussi Pick etwa, Managing Partner von Pick & Barth Digital Strategies. Er lebte und arbeitete mehrere Jahre in den USA, war dort Director for Online Strategies bei Blueprint Interactive in Washington, D.C., wo er Wahlkampagnen und NGOs im Bereich Online-PR, Online Organizing und Online Advocacy beriet. 2016 war er Teil des Digitalteams der Präsidentschaftskampagne von Hillary Clinton im Hauptquartier in Brooklyn.

„In den USA ist Message Control schon lange gang und gäbe“, sagt Pick, in Österreich tauchte der Begriff erst in jüngeren Kampagnen-Zeiten auf. Sebastian Kurz sei die Message Control beginnend schon im Wahlkampf 2017 zweifellos gelungen. Manchmal aber übertreibe man etwas mit der Botschafts-Disziplin. Dann mache sich die Öffentlichkeit über den floskelartigen Aufbau der Botschaften von Kanzler Kurz lustig.
Kurz habe offenbar beginnend mit den Papieren, die unter dem Titel „Projekt Ballhausplatz“ geleakt wurden, die strategische PR seiner Partei bis zum Wahltag durchkonzipiert. „In den Koalitionsverhandlungen wurde es etwas diffuser, da stieß er dann auf die Realität“, schränkt Pick ein und gibt erklärend zu bedenken: „Die Kurz-VP ist ja in Koalition mit einer Partei, die eigentlich nicht unter Kontrolle zu bringen ist.“

Bildcredit: BKA/Andy Wenzel