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© Kurier / Jürg Christandl

Eine Frage des Humors

Was darf Satire, und wo sind die Grenzen seriös unseriöser Nachrichten? Es ist ein medialer Drahtseilakt zwischen intelligenten humoristischen Beiträgen und manipulativen Falschmeldungen. Wie viel Ernst braucht ein Magazin, das die Leser zum Lachen bringen soll?

Von Matthias Häusler

Satire ist eine Kunstform. Unkonventionell, übertrieben und möglichst komisch. Praktisch eine eigene Disziplin. Vor allem, wenn man satirische Meldungen in einem medialen Umfeld verbreitet. Die Freiheit der Unterhaltung gilt es mit Geschick einzusetzen. Entweder man steigt als Satiriker mit witzig-pointierten Beiträgen in humoristische Höhen auf und unterhält den Leser oder den Zuseher mit überspitzten Fotomontagen – oder aber man klettert mit einem kreativen Werk unverhofft bis an die Spitze des geschmacklosen Witzes. Darum kann die satirische Darstellungsweise in den Medien an ihre Grenzen stoßen. Schließlich sollen Satire-Meldungen von tatsächlichen „Fake News“ unterschieden werden. Denn satirische Beiträge verheimlichen meistens nicht, dass die Inhalte nicht der Wahrheit entsprechen. Außerdem sind die humoristischen Aufbereitungen in der Regel als solche gekennzeichnet, während mit „Fake News“ bewusst manipulative und vorgetäuschte Nachrichten verbreitet werden sollen. Ein mediales Scherz-Menü sollte schlagfertigen Humor mit Charme und Niveau präsentieren können. Außerdem ist es die Kunst der Satire, in ihren verschiedensten Formen, sich von der Schmähkritik zu unterscheiden. Diese beschreibt eine Äußerung, bei der nicht mehr die Auseinandersetzung in der Sache, sondern die Diffamierung einer Person im Vordergrund steht. Ein juristischer Exkurs zeigt, dass sich im Mediengesetz auch Vorschriften, die den Persönlichkeitsschutz betreffen, finden. Geregelt werden unter anderem üble Nachrede, Beschimpfung, Verspottung und Verleumdung (§ 6). Für Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und an denen ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht, kann der Identitätsschutz gelockert oder ausgesetzt sein (§ 7a Abs 1).

Klien besteigt ORF-Satire-Thron

Im deutschsprachigen Raum gibt es Satireshows und Magazine zur Genüge. Dabei werden meist tagesaktuelle Ereignisse aus Politik, Sport und Unterhaltung aufs Korn genommen. In Österreich schießt zum Beispiel unter anderem das Satirekombinat Hydra regelmäßige Artikel-Feuerwerke auf die Lachmuskeln der Leser ab. „Die Tagespresse“ präsentiert ihren Fans satirische Beiträge im Stil von Zeitungsartikeln. Schrägen Humor kann man auch im Online-Magazin „Die Entenpost“ lesen, das im November 2016 mit seinem ersten Artikel online ging.
Außerdem wird der ORF im September eine neue Satire-Show mit „Willkommen Österreich“-Außenreporter Peter Klien ausstrahlen. Zunächst als Gag-Autor für die Sendung mit dem Satiriker-Duo Dirk Stermann und Christoph Grissemann gestartet, bekommt Klien nun seine eigene große Fernseh-Bühne. Und wird dort die satirische Auseinandersetzung mit politischen Themen aller Art vorantreiben. ExtraDienst hat den Kabarettisten, Philosophen und Fernsehmoderator zu seiner neuen Show, seinem steilen Aufstieg in der Comedy-Szene und zu möglichen Grenzen satirischer Beiträge befragt.

ExtraDienst: Wie kann man sich Ihre neue Late-Night-Show im ORF vorstellen – auch im Vergleich zu den aktuellen Beiträgen für die Sendung „Willkommen Österreich“?
Peter Klien: Oberflächlich gesehen wird meine neue Late-Night-Show mit den Beiträgen für „Willkommen Österreich“ relativ wenig gemeinsam haben. Das beginnt schon beim äußeren Auftreten. Ich werde einen modischen Anzug tragen und keinen altmodischen. Ich werde eine andere Brille haben. Das Studio wird mondän anmuten und nicht nach Neunzigerjahren riechen. Ebenso wird meine Präsentation anders sein. Ich werde in großem Bogen und zusammenhängend reden, anstatt verwirrt-verwirrende Fragen zu stellen. Was beide Formate allerdings verbinden wird, ist mein großes Interesse für Politik und für das öffentliche Leben in unserem Land.

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ExtraDienst / ed3 / 29.3.2019 

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Bildcredit: Kurier / Jürg Christandl