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Schlupflöcher in den digitalen Urheberrechtsgesetzen machen das möglich

 

Ein Hit ist wie ein Lottogewinn: Hast du einen Song, der häufig im Radio und TV gespielt wird und sich gut verkauft, hast du finanziell ausgesorgt. Dieses Credo galt bis zum Ende der goldenen 1990er-Jahre, in denen im Music-Biz Unsummen verdient wurden. Zwar hatten davor das private Aufnehmen auf Kompaktkassetten und später das Brennen auf CD-ROMs den Kohle-Kuchen bereits angeknabbert, doch das fiel kaum ins Gewicht: Im Jahr 2000 wurden noch stattliche zweieinhalb Milliarden CDs weltweit verkauft, 2015 waren es nicht einmal mehr 570 Millionen – ein Rückgang um beinahe drei Viertel. Das kann keine Branche verkraften. Zudem verloren Radiosender merklich an Boden und Bedeutung, an ihre Stelle traten Streaming-Dienste wie Spotify und YouTube. Die Krux: Während Radiostationen Tantiemen pro Airplay an die Künstler bezahlen, bewegt sich die Vergütung im Internet im Bereich unter einem Eurocent – wenn überhaupt bezahlt wird.

Es sind zwei Paradigmenwechsel, die das internationale Musikgeschäft bis ins Mark erschütterten. Durch die ständige – zum Teil illegale – Verfügbarkeit von Massen an Songs im Internet und kostengünstige All-inclusive-Angebote wie Spotify (9,99 Euro pro Monat) ging zum einen die Wertschätzung der Konsumenten für Musik verloren. Zum Vergleich: In den 1980er-Jahren kostete eine Vinylsingle mit zwei Titeln 50 Schilling, das wären, wertbereinigt, heute etwa 8,33 Euro. Eine LP war um das Drei- bis Vierfache teurer. Zum anderen verkleinerte sich der Tantiemenkuchen bei den österreichischen Radios, denn das Airplay von heimischen Künstlern reduzierte sich in den vergangenen Jahrzehnten merklich. Während man noch in den 2000er-Jahren Tourneen durch den Tonträgerverkauf subventionierte, sind Ticket-Verkäufe und Lizenzen für Aufführungen (= Konzerte) heute die wichtigste Einnahmequelle für Musiker.

 

Das Internet als Schwarzes Loch für Copyrights

 

Das Böse ist immer und überall – vor allem in Netz. Dort gibt’s die Bösen und die ganz Bösen. Konkret sind es zwei Arten von digitalen Unternehmensformen, die den Kreativen die Kohle abgraben. YouTube, Facebook oder Soundcloud sehen ihre Rolle darauf reduziert, dass sie ihre Plattformen Usern zur Verfügung stellen, um eigene Inhalte hochzuladen. Diese werden UGC (User Generated Content) genannt. In ihrem Universum sind alleinig die Nutzer für Copyright-Fragen zuständig und haftbar, sie fallen unter die derzeitige s.g. „Safe Harbour“-Regelung. Einnahmen werden vor allem durch Werbung – bei YouTube z.B. durch vorgeschaltete Clips – erzielt. Diese Digitalgiganten beherrschen mit mehr als 600 Millionen Usern pro Monat 90% des Marktes. „Jeder weiß, dass Google, dem YouTube gehört, nicht besonders großzügig mit der Aufteilung jener Milliarden ist, die sie mit Werbung machen“, stellt AKM-Präsident Peter Vieweger fest, „Es wird überhaupt nur das abgerechnet, was auch monetarisiert wird.“ Dafür muss jemand, der mit einem hochgeladenen Video Geld verdienen möchte, zuerst einen Deal mit „Google Ads“ aushandeln. Viewe-ger: „Das ist höchst kompliziert, und sogar Computer-Nerds haben sich beklagt, dass es zu umständlich ist.“ Gelingt die Übung, können bereits heute Lizenzen, zu einem kleinen Teil, in deutschsprachigen Ländern durch die AKM abgerechnet werden. Das sind acht Eurocent für etwa 25.000 Klicks. „Das ist leider nicht mehr“, seufzt der Ex-Gitarrist von Falco. „Nicht etwa, weil wir böse sind, sondern die AKM kann nur die Gelder treuhänderisch verrechnen, die uns für Lizenzen bezahlt werden.“ Für eine Million Views gibt es immerhin etwa eintausend Euro, schätzt er.

 

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Bildcredit: Pixabay