Skip to content. | Skip to navigation

 

Der Wunsch nach Kompensation oder gar Rache für niemals enden wollende Albträume wegen traumatischer Kindheits- und Jugenderinnerungen steckt wohl in den meisten von uns tief drin, egal ob’s der Pinsch in Mathe oder eine nicht erwiderte erste Liebe war. Nicht verwunderlich also, dass wir alle liebend gern selbst zum Richter über Gut und Schlecht werden wollen, Noten austeilen und damit den süßen Geruch der Macht spüren wollen, der gleichzeitig die Ohnmacht des anderen ist. Wer als Therapieform für seine tiefsitzenden Komplexe die Aug um Aug und Zahn um Zahn-Methode verfolgt, der kann dies heute unbenommen tun, ohne dafür belangt zu werden. Im Internet können wir alles bewerten und Produkte, Dienstleistungen und gar Menschen anonym und ohne auch nur ein Wort zu verlieren an den Pranger stellen. Die Ein-Stern-Methode wird zur willkommenen Strategie der Selbsttherapie.

Auch die Arbeitsplatzbewertungsplattformen leben offenbar von den Rachefeldzügen geschasster Mitarbeiter, die in der digitalen Welt ihren Frust freien Lauf lassen können, um mit wenig Aufwand ihr berufliches Versagen durch Hassbewertung ihrer Ex-Arbeitgeber zu sublimieren. Eine E-Mail-Adresse zur Identifikation reicht in den meisten Fällen, und schon kann man zum Wutbürger der digitalisierten Welt aufsteigen. Die Teilnahme ist nicht nur kostenlos, sondern auch anonym. Damit wollen die Betreiber die Hemmschwelle für eine Sterne-Vergabe senken und die Anzahl der Bewertungen steigern, denn „mit jedem zusätzlichen Rating, bekommt der User Informationen, die ihm bei der Entscheidungshilfe helfen“, so Johannes Prüller, Marketing- Chef von kununu.

Bewertungen gewinnen an Relevanz

Eine Studie des deutschen Digitalverbands Bitkom zeigt, dass fast jeder zweite berufstätige Internetnutzer entsprechende Bewertungen der Arbeitgeber liest. Laut dieser Umfrage ist die Zahl derjenigen, die sich auf Online-Plattformen wie kununu.com, meinchef.de, jobvote.com, jobvoting.de, arbeitgebercheck.at oder companize.com informieren, seit 2015 um sieben Prozentpunkte gestiegen. Die Konsequenzen einer schlechten Arbeitsplatzbewertung sind allerdings nicht zu unterschätzen. Mehr als acht von zehn der wechselwilligen Interes- senten wurden durch die Berichte und Noten in ihrer Entscheidung schon beeinflusst. 54 Prozent haben sich danach gegen das Unternehmen als Arbeitgeber entschieden. „Arbeitnehmer sollten sich möglichst immer mehrere Bewertungen durchlesen. Je mehr es sind, umso höher ist die Chance, dass das Gesamtbild stimmt“, meint Bitkom-Expertin Juliane Petrich. Außerdem sollte man Online-Bewertungen als Orientierungshilfe sehen und im Hinterkopf behalten, dass diese immer subjektive Beschreibungen eines Dritten sind, so Petrich weiter. „Wir glauben an die Kraft der Vielfalt von Meinungen und Perspektiven, um sich ein möglichst differenziertes Bild von einem Arbeitgeber machen zu können“, erklärt Prüller diesbezüglich.

Bildcredit: Pixabay