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Welche Branchengrößen zu Aussteigern wurden

 

Stellen wir uns Mag. Hans Wurst vor. Mag. Wurst ist Chef einer der größten Werbeagenturen in Österreich. Die meiste Zeit des Tages verbringt Wurst in seinem Chefsessel. Das neueste iPhone in der einen Hand, die übliche Stresszigarette in der anderen. Wenn er gerade nicht in seinem großen Drehstuhl aus feinstem Leder hinter einem gläsernen Schreibtisch sitzt, verbringt er die Zeit im Auto. Einem schnellen und teuren Wagen. Sein Weg zu wichtigen Terminen ist gepflastert mit unzähligen Telefonaten. Das Stresszucken seines rechten Auges nimmt Wurst nicht mehr wahr. Es ist nur eine von vielen Begleiterscheinungen, die sein stressiger Alltag so mit sich bringt. Frau und Kind sieht Wurst meist nur sonntags. Ein schnelles Gutenacht-Busserl für die kleine Marie ist da schon drinnen. Frau Wurst stört die Abwesenheit ihres geschäftstüchtigen Mannes schon lange nicht mehr. Der Tennislehrer übernimmt für ihn an dieser Stelle. 

Eines Abends, Mag. Wurst steht in seiner italienischen Designer-Küche und blickt durchs Fenster seiner 700-Quadratmeter-Jugendstil-Villa am Schreiberweg in Wiens Nobel-Bezirk 1190. Die Patek Philippe auf seinem Handgelenk zeigt fünf vor zwölf. 

Immer höher, immer schneller und vor allem immer mehr muss es sein. Das Leben scheint wie Geschlechtsverkehr ohne Höhepunkt. Richtig zufrieden ist man nie. Stichwort Konsumgesellschaft, wo Burnouts zum guten Ton gehören und man erst wer ist, wenn einen die Arbeit ins Grab gebracht hat. 

Dem Tod im Maßanzug entkommen und ab auf die Insel. Das ist der Plan. Aber wer ist dafür gemacht, zur Riege der Aussteiger zu gehören? Und vor allem: Was passiert, wenn der Plan, keinen Plan mehr zu haben, aufgeht? 

 

Arbeit vs. Leben

 

Mit der Industriellen Revolution kam der Stress. Das Auslagern des Arbeitsplatzes in Fabriken und Unternehmen machte es notwendig, Geld, welches in Maschinen investiert wurde, rasch wieder einzunehmen. So lag beispielsweise im Jahre 1830 die in Österreich noch nicht geregelte Arbeitszeit für Arbeiter bei 14 bis 16 Stunden pro Tag. 80 bis 85 Wochenstunden waren vorgesehen, nur sonntags war Ruhetag. Viel hat sich, wie es scheint, seither nicht mehr getan. Man lebt, um zu arbeiten. Nur harte Arbeit ist gute Arbeit. Wer sein Geld zu leicht verdient, wird belächelt, aber insgeheim – hinter verschlossenen Türen – beneidet. Das Voranschreiten der geistigen Revolution scheint etwas träge voranzugehen. Sind die meisten Menschen doch noch immer der Meinung, man könne sich seine Arbeit nicht immer aussuchen, und dass es nun mal ist, wie es ist. Aber warum? Heißt es nicht auch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“?

 

Arbeit über alles

 

Googelt man das Wort „Burnout“, findet man folgende – wenn auch auf die Raumfahrt bezogene – passende Definition: „Zeitpunkt, in dem das Triebwerk einer Rakete abgeschaltet wird und der antriebslose Flug beginnt“. 

Aufmerksam wurde man auf das Phänomen Burnout bereits Anfang der 70er-Jahre in den Vereinigten Staaten. Heute weiß man, dass diese Erkrankung mehr als nur eine Modeerscheinung ist. Was früher noch als schickes „Must-have“ eines jeden Managers galt, fällt heute laut ICD-10, dem weltweit anerkannten Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen, in die Kategorie „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. 

Typische Anzeichen wären unter anderem Ausgebranntsein, körperliche oder psychische Belastung und Mangel an Entspannung und Freizeit. Eine jährlich veröffentlichte Stress-Studie der Allianz Versicherung zeigt auf, dass sich bereits jeder vierte Österreicher dem Ende seiner Kräfte nähere und so auf ein Burnout hinarbeite. Es heißt, dass „neben dem Job auch die wachsende Belastung im Privatleben“ vielen Menschen zu schaffen mache. Besonders junge Männer sind laut dieser Studie betroffen. 22 Prozent aller Berufstätigen, auch hier vorwiegend junge Männer, stellen gemäß dieser aktuellen Umfrage ihren Beruf über ihr Privatleben. Dr. Inge Schulz, Leiterin der Human Resources Abteilung der Allianz Gruppe Österreich, sagt hierzu: „Erheblich verschärft wird der Stress am Arbeitsplatz, wenn das Betriebsklima nicht passt.“ Es heißt, dass 41 Prozent der 18- bis 34-Jährigen unter einer akuten Stressbelastung am Arbeitsplatz leiden. Der Leistungsdruck von außen, aber auch der Anspruch an sich selbst steigt stetig. Besonders junge Männer sehen sich oft unter Druck gesetzt, möglichst früh und vor allem schnell viel zu erreichen. Ein Mann ist kein Mann, wenn er seine Familie nicht ernähren kann, heißt es. Mit dem Erfolg kommt ja angeblich das, was vermeintlich glücklich macht. Dem Burnout jedoch folgt lediglich die Erkenntnis, dass es bereits fünf nach zwölf ist. Vielleicht Zeit, etwas zu ändern. 

 

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Bildcredit: Pixabay