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Noch vor wenigen Jahren gehörten die Dauertelefonierer am Handy zum Alltag. Endlich „24/7 erreichbar sein“ war der Segen des Augenblicks, das Mobiltelefon Statussymbol und des Menschen liebster Begleiter. Letztes hat sich nicht geändert, die smarten Geräte – oft jenseits der 1000-Euro-Grenze – sind eine Messlatte für den Coolness-Faktor, für vermeintlichen Wohlstand und digitale Fitness des Besitzers. Doch immer weniger Menschen – vor allem Teenager und Twens – wollen das mobile Telefon für seinen ursprünglichen Zweck nutzen: „Ruaf mi ned an“ – frei nach dem legendären Danzer-Hit. Viele empfinden Anrufe als lästig, egal, ob von der Mama, Freunden oder im Business. Texten, Whatsappen und Facebooken ist nicht nur angesagter und praktischer als die verbale Kommunikation, sondern einfacher. Kein elendslanges Zuhören mehr, Messages werden mit wenigen Zeichen auf den Punkt gebracht, der Zeitaufwand für ein Gespräch fällt weg.

Was der angeblich immer weniger telefonierenden Zielgruppe selbst ein Anliegen ist, ärgert diese wiederum: Firmen und deren Servicelines sind manchmal telefonisch nicht oder nur eingeschränkt erreichbar; mit Tasten-drücken („Touch Tone“) muss man sich durch Roboter-Servicesysteme navigieren; Helplines werden in Call-center ausgelagert, diese sind überlastet, man landet im Nirgendwo, wird weggedrückt oder es wird – ganz irrtümlich – aufgelegt; oder es werden gleich im Vorhinein exorbitante Kosten pro Anrufminute in Aussicht gestellt. Wo das Phone früher im Vordergrund stand, ist heute das „Smart“ wichtiger.

Die Österreicher als Telefonverweigerer?

Der große Verlierer der vergangenen zwölf Jahre ist das Festnetz. Seit 2006, dem ersten Jahr der Vergleichsstatistik, geht es kontinuierlich begab. Dramatisch waren vor allem die Einbrüche zwischen 2006 und 2008 mit mehr als 50% Rückgang, was sich zu Gunsten des Mobilfunks niederschlug: Im gleichen Zeitraum konnten Gewinne von bis zu 29% bei der Handy-Nutzung verbucht werden. Telefonierten die Österreicher 2006 noch zwölfeinhalb Milliarden Minuten am xen Fernsprechapparat, waren es 2017 gerade noch zweieinhalb Milliarden. Gleichzeitig konnte die Gesprächsdauer am Handy von 13,7 Milliarden Minuten (2006) auf 21,1 Milliarden (2017) kräftig zulegen. Rechnet man Mobilfunk- und Festnetzminuten zu- sammen, nutzten die Österreicher im Vorjahr das Telefon beinahe drei Milli- arden Minuten weniger als noch 2006, ein Rückgang von mehr als zehn Prozent. Schuld sind immer größere in- kludierte Datenvolumen in den Tarifpaketen sowie die Nutzung diverser Messenger-Dienste von WhatsApp bis zu Viber & Co.

Das Telefonieren unterliegt, so die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH RTR, starken saisonalen Schwankungen: In Ferienzeiten wird weniger, jeweils im vierten Quartal deutlich mehr ferngesprochen. Eine kleine Überraschung könnte es, so die RTR, im Bereich der vertelefonierten Mobilminuten geben – es verdichten sich Hinweise, dass es nach dem Jahr 2017 auch heuer erneut zu einem leichten Anstieg kommt.

Alles anders: Zeitansage, Auskunft, Weckruf

2009 wurden die Zeitansage, die unter der Kurzrufnummer 1503 erreichbar war, und damit die vertraute Stimme einer gewissen Renate Fuczik nach 35 Jahren im Dienst stillgelegt. Versteckt wurde die neue Version hinter der Monsternummer 0810 001503, die Minuten und Sekunden sagt nun Moderatorin Angelika Lang an. Älteren Semestern mit Schwierigkeiten beim Aufwachen ist sicher noch der legendäre Weckruf in Erinnerung, der sich mit einigen zusätzlichen Schillingen auf der Telefonrechnung bemerkbar machte. Doch man konnte – dank liebevoller, echter Damenstimmen – gewiss sein, dass man wirklich aus den Federn kommt. Als Zusatzservice wurde, auf Wunsch, ein weiteres Mal angerufen. Zur Sicherheit. Wer heute einen Weckruf bestellen möchte, dem werden einmal 1,81 Euro über eine 0900er-Nummer verrechnet, die die Internetseite www.wakeup-call.com mit Sitz in Berlin betreibt. Über die Website sind automatisierte Weckrufe sowohl einzeln um 1,10 Euro als auch Monatsaufträge um 34,10 Euro buchbar. Die gute alte Telefon-Auskunft wurde ebenfalls internetisiert (www. auskunft.at); wer dennoch persönlichen Gesprächsbedarf hat, dem wird unter 118 811 geholfen. Um 3,64 Euro pro Minute gibt’s Inlandsauskünfte, Rückwärtssuchen (der Name und die Adresse zu einer Telefonnummer werden recherchiert) oder das Weiterverbinden – mit Einschränkungen – ins In- und Ausland. Die Auskunft von A1 schlägt sich „nur“ mit 2,17 Euro pro Minute zu Buche.

Hot Spot: Service-Lines von Banken

Kaum eine andere Branche hat sich im Kommunikationsverhalten mit Kunden derart dramatisch verändert wie der Bankensektor. Eröffnete vor zwanzig Jahren eine Filiale nach der anderen, werden diese seit einigen Jahren nun konsequent dicht gemacht. Der Job-Killer für Bankangestellte an der Front: Zuerst entwickelte sich das Telefonbanking rasant, heute erledigen die meisten Menschen ihre Geldangelegenheiten via Internet und mit Apps. Da internationale Abkommen, wie die Kreditrichtlinie Basel III, die individuelle Risikoeinschätzung durch den meist langjährig vertrauten Bankbetreuer durch eiskalte Kalkulation ersetzt haben, braucht es den Faktor Mensch kaum noch zur Geschäftsabwicklung. Kontostände, Überweisungen, Einziehungsaufträge und (Bankomat-) Kartenmanagement werden längst online getätigt, der Homo sapiens am Schalter oder Beratertisch ist ein lästiges Überbleibsel aus prädigitalen Zeiten. Ein Rechenzentrum arbeitet 24/7 an 365 Tagen im Jahr (außer bei Wartungsunterbrechungen, Computerpannen oder Hackerangriffen), es wird nicht krank und braucht keinen Urlaub.

 

Die vollständige Story finden Sie im ExtraDienst 12/18

Bildcredit: Pixabay