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Langenbucher: Printmedien werden bewusster konsumiert als Online-Medien

 

ExtraDienst: Als „Institutionenbauer“ haben Sie in München und Wien wichtige Ausbildungsmöglichkeiten im Journalismus geschaffen. Was waren die großen Herausforderungen dabei?
Wolfgang Langenbucher: Die Probleme damals waren vielfältig. Zum einen galt für den journalistischen Beruf in den 1960er- und 1970er-Jahren eine „Begabungsideologie“. Das heißt, die allgemeine These war: Wer für den Beruf talentiert ist, schafft es auch ohne spezifische Ausbildung. Auf der anderen Seite war das Fach „Journalismus“ noch nicht anerkannt. Es gab zwar schon den Anspruch, dass ein Journalist akademisch gebildet sein musste, aber die Wahl des Studienfachs war nicht vorgegeben. Um Journalist zu werden, konnte man alles studieren – außer Publizistik.
In München ergab sich dann die Möglichkeit einer Zusammenarbeit von Universität und Journalistenschule. Dadurch ist es uns gelungen, den akademischen Anspruch mit der Berufspraxis des Journalismus zu verbinden. Nach diesem Modell haben in der Folge auch viele andere Universitäten gearbeitet. Mainz hat zum Beispiel damals sehr bald das journalistische Volontariat als verpflichtend eingeführt. All das hat die Zahl der akademisch ausgebildeten Journalisten drastisch erhöht.

ED: Sie haben sich immer wieder für die Unverzichtbarkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stark gemacht. Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation in Österreich?
Langenbucher: Das gehört tatsächlich zu meinen Essentials. Die Schaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks war eine der großen Innovationen der Nachkriegszeit. Sie hat zu einem Rundfunk-System geführt, das sowohl in Österreich als auch Deutschland auf sichere Finanzierung bauen kann. Dadurch ist die Unabhängigkeit von politischer Einflussnahme garantiert. Jede neue österreichische Regierung hat zwar immer noch versucht, durch Gesetzesänderungen mehr Einfluss zu bekommen. Aber ich schätze die Widerstandskraft des ORF als gut genug ein, damit sich da nichts ändert.


ED: Was halten Sie von Gernot Blümel, dem amtierenden Bundesminister für Medien?
Langenbucher: Ich habe ihn neulich im ORF-Kulturmontag im Interview mit Martin Traxl gesehen. Da hat sich der Minister als reflektierter und gebildeter Mann präsentiert. Die Frage ist, wie unabhängig er tatsächlich agieren darf. Warten wir’s mal ab. Aber ich denke, er ist sensibel genug, um auf eine mögliche Kritik von Intellektuellen zu reagieren.


ED: Vor 18 Jahren haben Sie die „Theodor Herzl-Dozentur für Poetik des Journalismus“ gegründet. Welche wichtigen Impulse wurden dadurch gegeben?
Langenbucher: Das geht auf die Poetik-Dozentur in Frankfurt zurück, die Ingeborg Bachmann als erste innehatte. Ich habe mir überlegt: „Wieso kann es etwas Vergleichbares nicht auch für Journalisten geben?“ Bis zur Realisierung hat es allerdings lange gedauert. Erst wollten wir die Dozentur nach Egon Erwin Kisch benennen. Aber sein Name war schon mit dem Journalistenpreis der Zeitschrift Stern belegt. Dann entschieden wir uns für Theodor Herzl. Er war schließlich nicht nur der Erfinder des Zionismus, sondern auch ein begnadeter Journalist.

 

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Bildcredit: Heribert Cort