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Ein Jahr nach meiner Verkaufs-Schnaps-Idee sind unsere Magazine wieder dort, wo sie hingehören – an der Spitze in den Branchen Werbung, Medien und Tourismus

 

Stellen Sie sich vor, Sie führen ein Unternehmen, das 42 Jahre lang Gewinn macht. Das stetig wächst. Das Arbeitsplätze schafft. Das Steuern in Zig-Millionen-Höhe abführt, dessen Bilanzen seit Jahrzehnten siebenstellige Gewinne ausweisen. Und wenn in all diesen 42 Jahren nur eine einzige Zeitschrift nicht erscheint (wo ich mit Gehörsturz und Burnout im Spital gelandet bin, weil ich jeden der sieben Tage über 16 Stunden drankam), dann formt sich irgendwann einmal so etwas wie Sehnsucht nach Auszeit.

Vor einigen Jahren wurde der Begriff Sabbatical bekannt. Man versteht darunter eine längere Auszeit vom Berufsleben, ein paar Monate oder ein ganzes Jahr. Sowas hätte ich auch gerne, dachte ich mir, vielleicht sogar für immer. Im März des letzten Jahres wurde ich mir mit dem Käufer einig. Im Mai schlossen wir meinen Verlag. Am 1. September wurde die MG MedienGruppe gegründet. Schon am 15. November war mir klar, dass mein Nachfolger das gar nicht so macht, wie ich mir das vorstelle.

Dazu kam, dass wir in das neue Unternehmen Kapital zuschießen mussten (eine völlig neue Erfahrung, die ich zuvor noch nie gemacht hatte), dass das Klima im Haus – dank massiver Personal-Überlastung – so erbärmlich wie nie zuvor war und mein Geschäftsführer Dominik Unger und ich uns sicher waren, dass der neuen Gesellschaft keine rosige Zukunft beschieden sein werde... Also zog ich die Notbremse, setzte §47 Absatz 11 in Kraft, der besagt, dass für einen bestimmten Zeitraum ab Übernahme die Firmenanteile dann, wenn wir „schnapp“ sagen, in andere Hände wandern. Und kehrte ans Ruder des schlingernden Schiffes zurück.

Nun war es, das gebe ich ehrlich zu, Anfang 2017 so weit, dass ich definitiv nicht mehr weiterarbeiten wollte. Ein volatiler Markt, grobe Personal-Probleme, Kunden, die immer mehr Druck auf die Konditionen machten. All dies, gepaart mit meiner angeschlagenen Gesundheit, führte dazu, dass ich unbedingt aussteigen wollte. Und dabei den Blick aufs Wesentliche – nämlich die Eignung meines möglichen Nachfolgers für dieses subtile Geschäft – vernachlässigte bzw. auf die leichte Schulter nahm.

Von März 2017 bis November 2017, also fast neun Monate, genoss ich freilich etwas, was es seit meinem 21. Lebensjahr noch nie gegeben hatte: Eine klasse, fette Auszeit, plötzlich frei von Terminen, vom Stress, von Verantwortung, von jener minutiösen Verlässlichkeit, die ich mir Zeit meines Lebens schonungslos selber auferlegt hatte.

Als ich im November in all das, das mich die Jahrzehnte davor getrieben hatte, wieder eintauchte, verspürte ich etwas, was mir längst fremd geworden war: Die Lust an der Kreation war zurückgekehrt. Die Freude am Gestalten. Der Spaß am Schaffen, der das Arbeitsleid bei Weitem überwog. Mittlerweile gestählt und (dem Herrgott sei Dank) völlig gesundet, begriff ich: Das alles (und Sie, geschätzte Leser) hatte mir gefehlt.

Somit gebe ich ein Versprechen für die Zukunft ab: Ich verspreche, dass ich nie wieder versprechen werde, dass ich mich schleichen werde. Und wenn – dann nehmen Sie mich bitte nicht ernst. Sie können mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen (solange ich noch atme), dass ich wie beim „Hau das Krokodil“-Spiel aus einem völlig unerwarteten anderen Eck wieder auftauchen werde.

Im Herbst wird wohl jemand dazustoßen, um mich zu unterstützen. Doch selbst da (jeder hat das Recht, Fehler zu machen, nur sollte man tunlichst denselben Fehler kein zweites Mal begehen) werde ich dann vorderhand bis Ende 2020 auch operativ an Bord bleiben. Vorausgesetzt, die Physis lässt das zu. Mit dem heutigen Tag kann ich jedenfalls stolz folgende Eckdaten bekannt geben: Die 250.000 Euro Darlehen, die ich der MG MedienGruppe leihen musste, sind zurückgeführt. Das neue Unternehmen hat an Titelrechten bis jetzt rund eine halbe Million Euro an die Mucha Verlag GmbH bezahlt, unsere Konten sind fett sechsstellig im Plus. Kein Wunder, nachdem wir wieder Ausgaben mit 223 und 163 Anzeigenseiten geschafft haben. Die gesamte Redaktion präsentiert sich komplett erneuert, in Produktion und Verwaltung agieren motivierte Mitarbeiter, die sich gut verstehen und Spaß und Freude an der Arbeit haben. Am meisten freilich freut es mich, dass Sie, geschätzte Kunden und Leser, mir so viel an Wertschätzung entgegenkommen haben lassen.

Nun ist es eine Sache, wenn dir die Leser auf Facebook schreiben, dass sie dich vermisst haben, dass sie sich freuen, wenn du wieder dabei bist. Oder wenn man auf Veranstaltungen, Festen und Events Gratulationen zu dem Entschluss, ins Geschäft zurückzukehren, bekommt. Doch es ist eine ganz andere Sache, wenn dich Anzeigenkunden von sich aus (!) anrufen und dir nicht nur mitteilen, dass sie das für eine tolle Entscheidung halten, den Verlag weiterzuführen, sondern von ihrer Seite Unterstützung durch budgetäre Maßnahmen setzen. Und jetzt kommt eine Zahl, die werden Sie mir nicht glauben. Sie stimmt aber. Von unseren Top-100-Kunden haben 54 (in Worte: vierundfünfzig) ihre Budgets 2018 bzw. 2018/2019 spürbar erhöht und dadurch ein Zeichen gesetzt, wie wert sie unsere Zeitschriften ExtraDienst, FaktuM, FM und Elite schätzen. Ihnen allen kann ich da nur mit einem kleinen Tränchen im Auge ein Dankeschön zurufen. We try as hard as we can.

 

Herzlichst

Ihr

Christian W. Mucha

Herausgeber