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An einem heißen Sommertag im Jahr 2009 dümpelte ich mit meinem Boot „Büro“ über den Wörthersee. In einer herzlichen und gemütlichen Runde an Bord wurde gelacht, geschmähtandelt und philosophiert. ORF-General Alexander Wrabetz, damals noch mit seiner Frau Petra verheiratet, Ekateri- na und ich schwadronierten über Gott und die Welt und genossen den herrlichen Tag. Doch plötzlich wechselte Wrabetz auf ein Branchen-Thema: Was ich denn davon halten würde, wenn er Dominic Heinzl von ATV zum ORF holen würde. Ob das funktionieren könnte. Dominic galt als der Shooting Star der Society. Nach Lehrjahren bei Ö3 und Moderation der Sendung XLarge bescherte ihm sein unbekümmerter, frecher Stil „High Society“, sein eigenes Magazin, das er mit Chili TV selbst produzierte, beim jungen Sender ATV. Das „Krokodil der Branche“, wie man ihn schon damals despektierlich nannte, war durchaus beliebt. Und gefürchtet. Ob seiner spitzen Zunge. "High Society" brachte Heinz seine erste goldene "Romy".

Beim Bootsausflug erzählte mir Wrabetz, dass Heinzls Ver-trag am 31. Dezember auslaufen werde. Und frug mich, ob der Frechdachs in die ORF-Gesellschaftsberichterstattung passen würde. Mit einer eigenen Sendung. Meine Antwort kam schnell und ohne Zögern: „Wenn ihr euch Heinzl holt, dann muss das sorgfältig geplant und konzipiert sein.“ Zum einen musste er damals gegen die „Seitenblicke“ antreten. Ein von Thaddäus Podgorski erfundenes Erfolgsformat, jahrelang vom „alten Fox“ Otto Pammer produziert, den die Klingohr-Partie abgelöst hatte. Mit einer hervorragenden Reichweite in der Zusehergruppe 40+ und einer eingefleischten, aber ziemlich überalterten Fan-Gemeinde. Die würden nur schwer zu schlagen sein. Zum anderen wusste ich als Insider, dass Society-Reporter beim ORF einen extrem schweren Stand haben. Klar, denn die Gossip-Reporter üben eine magische Anziehungskraft auf Politiker, Wirtschaftsmagnaten und Selbstdarsteller aus. Da wird antichambriert, genetzwerkt, gebauchpinselt und interveniert, was das Zeug hält. Beim ORF kam noch erschwerend hinzu, dass vom General und der Programmchefin abwärts die Macher sich selbst gern in die Gesellschaftsformate hineinreklamierten. Und dort ihren Einfluss geltend machten. Im Sinne des Pushens der hausinternen Stars. So verwundert es wenig, dass die Riege der Meistgenannten in den Society-Formaten von Armin Assinger über Alfons Haider bis zu Mirjam Weichselbraun reichte. Wer beim ORF ein solches Format gestaltete, bekam diese Klientel laufend aufs Aug gedrückt. Folglich ist der ideale Seitenblicke-Redakteur flexibel, diplomatisch, angepasst. Und auf Zuruf allzeit bereit. Was die handelnden Personen zwar entrüstet bestreiten, was durch die Faktenlage freilich traditionell nachhaltig bewiesen ist.

Trotzdem legte ich viele gute Worte für meinen Freund Heinzl ein. „Wenn du ihn nimmst“, riet ich Wrabetz, „dann musst du ihm den Rücken freispielen. Musst ihn Krokodil sein lassen. Darfst ihm nicht wertvolle Sendezeit und Sendeplatz mit der ORF-Kammerilla wegnehmen. Er braucht ein frisches Konzept, das deutlich jünger als das der Seitenblicke ist.“ Wrabetz versprach, die Chose genau so anzulegen, vergatterte mich zu äußerster Diskretion, und wir wechselten das Thema.

Schon im Jänner drauf ging „Chili – Society mit Dominic Heinzl“ auf ORF eins on air. Doch das Format scheiterte kläglich. An der Quote. Inwieweit Heinzls Auseinandersetzung mit dem Rapper Sido, die in Handgreiflichkeiten endete, auf die Entscheidung der ORF-Programmchefin, Heinzls Vertrag 2013 nicht mehr zu verlängern, abfärbte, wissen wohl nur Hardcore-Insider. Fakt ist, dass der Chili-Macher, den die Zeitschrift News als Simulanten dargestellt hatte, gegen die ein Zivilgerichtsverfahren anstrengte. Was ihm zwar eine Entschädigung, aber nur wenig Sympathien brachte.

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tIhr Christian W. Mucha

(Herausgeber)

 

Den vollständigen Herausgeberbrief lesen Sie im ExtraDienst 12/2018

Bildcredit: Archiv