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Viele Stars – viel Routine

 

Am 27. April wurde im Wiener Volkstheater zum 18. Mal der österreichische Musikpreis „Amadeus Music Awards“ verliehen. Wer sich zu den Gewinnern zählen kann, entscheiden eine aus 100 Medien- und Branchenvertretern bestehende Jury und das Publikum via Onlinevoting zu je 50 Prozent.

Als Moderatorin führte Conchita Wurst durch den Abend und witzelte bereits bei der Eröffnung: „Willkommen zum wahrscheinlich sympathischsten, wichtigsten, ...“, und leiser: „... einzigen deutschsprachigen Musikpreis!“. Eine Anspielung auf die Abschaffung des „Echo“ in Deutschland wegen rechtsradikaler Rap-Texte.

Die Anzahl der Kategorien wurde im Vorfeld von 18 auf 14 reduziert, um sich auf eine „klare Übersicht und Struktur“ zu konzentrieren, wie Dietmar Lienbacher, Präsident des Musikwirtschaftsverbands IFPI, betonte. Wirkliche Überraschungen oder Höhepunkte gab es bei der routiniert abgespulten Show nicht. Auch politische Statements blieben weitestgehend aus. Lediglich Rapperin Jasmo plädierte bei ihrem Auftritt für mehr Solidarität, Sichtbarkeit und faire Bezahlung für Musikerinnen. Selbst Conchitas jüngste Offenbarung ihrer HIV-Erkrankung wurde nicht thematisiert.

Die großen Sieger des Abends waren mit Bilderbuch und Wanda zwei altbekannte Acts, die jeweils fünf Mal nominiert waren. Wanda gewannen mit dem Hit „Columbo“ die Kategorie „Song des Jahres“ sowie die Genre-Kategorie Pop/Rock. Bilderbuch konnten zwei Awards mit nach Hause nehmen: Sie gewannen den Preis für den „Live-Act des Jahres“ und mit ihrem Album „Magic Life“ den „Best Sound“-Award.

Mehr als die Hälfte der Sieger nahmen den Preis nicht persönlich entgegen, sondern dankten Jury und Publikum lediglich via geschnittenem Interview. Protz-Rapper RAF Camora, der nun in der Kategorie „Hip-Hop“ einen Amadeus-Award sein Eigen nennen darf, kam gar nicht zu Wort. Während sein Sieg noch anmoderiert wurde, öffnete sich bereits die Bühne und Ina Regen spielte eine glamourös inszenierte Ballade.

Die jüngste Diskussion um deutschsprachigen Gangster-Rap fand bei dieser Veranstaltung keinen Platz. Die wenigen Preisträger, die von Präsentatoren wie Birgit Denk oder Julian Le Play auf die Bühne gebeten wurden, hielten sich auffallend zurück und beschränkten ihre Dankesreden auf das Wesentliche – so etwa das Musikkabarettistenduo Paul Pizzera und Otto Jaus, das sich über den Award für das Album des Jahres („Unerhört solide“) freute.

Bildcredit: IFPI Austria/Andreas Tischler