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Platz 3: Christoph Dichand, Kronen Zeitung

 

Schon wieder eine Top-Platzierung für Christoph Dichand. Endgültig verstummt sind jene, die seine Fähigkeiten bezweifelten, das Massenblatt der Republik in die neuen Zeiten zu führen. Der legendäre Hans Dichand setzte auf Hunderl und Nackerte. Und inszenierte sich selbst im Vorhof der Macht. Christoph geht es viel leiser an. Hat es offenbar nicht nötig, zu entscheiden, ob er im Vorhof, im Hinterzimmer oder im Salon der Macht residiert. Er residiert. Ohne große Aufregung. Was ihm manche als Schwäche auslegten, entpuppte sich einfach als sein persönlicher Stil. Und es ist ihm gelungen, von diesem auch etwas auf das Blatt abfärben zu lassen, das den österreichischen Markt noch immer dominiert. Zumindest ein bisschen ruhiger, etwas weniger marktschreierisch kommt die Kronen Zeitung daher. Was nicht heißt, dass es im Hintergrund keine Brösel gäbe. Da ist etwa die Funke-Gruppe, die Miteigentümerin der Kronen Zeitung, mit der man nun schon seit Jahren im Clinch liegt. Eine unendliche Geschichte. Daneben vergaß Dichand aber nicht auf die neuen Zeiten. Brachte den digitalen Auftritt auf Vordermann. Und knüpft mit krone.tv am Bewegtbildboom an.

Sitzungen, an denen Dichand teilnimmt, verlaufen für Beobachter meist höchst ungewohnt und unerwartet. Seinerzeit fiel beim Kurier Peter Rabl damit auf, dass er die kürzesten Beiträge lieferte. Kommentare, die nur aus einem knappen Satz mit vier Wörtern oder einer ätzenden Bemerkung bestanden. Auch Kurt Falks Kommentar auf die Anfrage seines Management-Teams, wie man denn den Vertrieb von täglich Alles bewerkstelligen wolle, fiel denkbar kurz aus. Seine Antwort lautete: „Morawa. Nächste Frage.“ Christoph Dichand schafft es, bei derartigen Vorbildern noch kürzer zu sein. Seine Kommentare beschränken sich gelegentlich schon einmal auf ein „Mmhm“, ein leises „Ja“, ein Nicken oder eine Handbewegung. Ein durchaus gewöhnungsbedürftiger Stil, freilich auch höchst effizient. Was jetzt nicht heißen soll, dass Dichand keine langen Sätze kann. Wer Unfeines über seinen geliebten Vater verbreitet, den weist der mächtige Muthgasse-Macher auch schon einmal mit 16 Sätzen zurecht. Am Stück. Und höchst emotional.

Bildcredit: Peter Tomschi