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Platz 1: Alexander Wrabetz, ORF

 

Alexander Wrabetz wäre wohl froh gewesen, wenn man das Jahr 2016 einfach ausgelassen hätte, munkeln einige in der Branche. Aber wäre er das wirklich? Hat er doch gerade in diesem Jahr bewiesen, was ihn auszeichnet: Strategie, Durchhaltevermögen, der Glaube an sich selbst und das Feilschen um den Preis, den man für den Erfolg braucht. Viele seiner Tugenden musste er dafür einsetzen, um etwas zu erreichen, was vor ihm nur wenigen vergönnt war: ein dritte Amtszeit als ORF-Generaldirektor. Dass sich das letztendlich als schwieriger herausstellte, als er noch zu Jahresanfang vermutete, dafür kann er aber nicht wirklich etwas. Denn da war zuerst die ÖVP, die meinte, es sei nunmehr hoch an der Zeit, dass der Posten wieder in die „schwarze“ Reichshälfte wechsle. Und dafür ausgerechnet jenen Mann aufstellte, der Wrabetz als Finanzdirektor in den letzten Jahren kongenial zur Seite stand. Und dass man in dieser Funktion eine gute Chance hat, den obersten Posten im ORF zu erobern, weiß der Machiavellist aus eigener Erfahrung nur allzu gut. Und fightete wohl seinen härtesten Wahlkampf. Arschknapp war es. Aber wieder schaffte es der Stratege, Allianzen zu schmieden, die breit genug waren, ihn in die nächste Legislaturperiode zu hieven. Mit dem Versprechen, den ORF auf dem Küniglberg zu konzentrieren, mit dem Versprechen, mehr Eigenproduktionen auf ORFeins zu bringen und schließlich auch mit dem Versprechen, noch einmal einzusparen. Und bei ihm wusste man schließlich, woran man ist. Wrabetz muss schon seit 2007 einen Sparkurs fahren, den man dem Programm nicht anmerken sollte. Er schaffte es. Setzte mit ORF III ein Qualitätsprogramm in die heimische Fernsehlandschaft, das mit minimalem Budget Maximales schafft. Verwirklichte das geforderte ORF Sport+. Fuhr 2016 mit den ORF-Programmen einen Marktanteil von 35,1 Prozent ein. Davon träumen viele öffentlich-rechtliche Anstalten in Europa. Doch Wrabetz lenkte seinen Blick längst in die Zukunft – und die liegt neben der TVthek in der digitalen Weiterentwicklung. Dafür gilt es allerdings, zahlreiche Widerstände aus dem Weg zu räumen. Und Wrabetz hat bereits gezeigt, dass dies eines der Orgel-Register ist, auf denen er zu spielen weiß. Ungemütlich wurde es für den Strategen noch einmal gegen Jahresende. Stand doch der Antrag auf Gebührenerhöhung an – und Wrabetz scheiterte. Schaffte es erst beim zweiten Versuch, mit reduzierten 6,5 Prozent. Zauberte dann aber das passende Konzept in Windeseile aus der Schublade. Wer mag da an Zufall denken? Doch genau das ist es, was der ORF in diesen Zeiten braucht. Einen Generaldirektor, der durch das stürmische politische Fahrwasser zu navigieren weiß. Und der damit die Ebenen unter sich von der politischen Intervention freihalten kann.

Bildcredit: Thomas Ramstorfer