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Die fetten Jahre sind vorbei. Das unterstreichen die Zahlen der Österreichischen Auflagenkontrolle ÖAK. So verkaufte der Standard, jenes Medium, das sich als Qualitäts-Produkt schon immer als etwas Besonderes verstand, sich als höhergestelltes Print-Produkt um die Niederungen der Reichweiten der Boulevard-Presse niemals scherte, landesweit im Einzelhandel im Jahresschnitt 2017 am schwächsten Wochentag gerade noch 1.922 Exemplare. Freilich inklusive ePaper. Auch die Salzburger Nachrichten grundelten bei 1488 Stück. Besser geht es der Kleinen Zeitung, die täglich stabil mehr als 4.000 Exemplare via Trafik & Co. unters Volk bringt. Der Kurier schafft mehr als 7.200 Stück. Platzhirsch ist wie eh und je die Kronen Zeitung mit etwa 57.700 Stück am schwächsten und beinahe 132.000 am verkaufsstärksten Tag, dem Freitag.
Wer diese Zahlen auf die Monatssumme hochrechnet, der versteht blitzschnell: Ein landesweiter, täglicher Vertrieb rechnet sich für kaum ein Verlagshaus mehr.
Nur die Mediaprint mit mehr als zehntausend Verkaufsstellen muss sich keine Sorgen über Verkaufszahlen machen. Horst Pensold, Vertriebschef beim Branchenprimus, bringt es auf den Punkt: „Ich bin entspannt, aber etwas wird sich ändern. Der Markt wird reagieren bzw. reagieren müssen.“
Die Print-Branche reagierte heftig, als am 11. Juni eine APA-Meldung in die Verlagshäuser knallte. Drakonische Ankündigung: Per Jahresende zieht sich der Morawa Pressegroßvertrieb weitgehend vom Markt zurück. Mehr als 3000 Titel sind davon betroffen, darunter so gut wie alle Tageszeitungen. „Seit Jahren haben wir festgestellt, dass der Pressegroßvertrieb in der Morawa Pressevertrieb GmbH nicht mehr die große Cashcow ist“, erklärt Geschäftsführer KR Dr. Emmerich Selch seinen rigiden Schnitt. „Innerhalb unseres Portfolios, das sind österreichische, deutsche und fremdsprachige Tageszeitungen, haben sich die Verkäufe seit dem Jahr 2011 um circa 40% reduziert“, nennt er Zahlen. Vor fünf Jahren wollte man es genau wissen: „2013 sind schon ungefähr eineinhalb Millionen Negativum herausgekommen bei den Zeitungen.“ Irgendwann, so rechtfertigt sich Selch, hätte er Konsequenzen ziehen müssen, damit das Tageszeitungs-Minus das Traditionsunternehmen nicht in den Abgrund reißt.
Was der umtriebige Entrepreneur in vierter Generation jetzt, wo’s perdu ist, verschweigt, erläutert Gerald Grünberger, seines Zeichnes VÖZ-Geschäftsführer: Das Problem sei alles andere als neu. Schon vor zwei Jahren hätte Morawa-Selch die Kosten-Keule geschwungen – und man sei denen weit entgegengekommen, habe ein Drei-Zonen-Modell entwickelt mit stufenweiser Abdeckung der Einzelhandelsstellen mit unterschiedlicher Preisgestaltung, um nur alles zu tun, um Morawa Gestaltungsspielraum zu eröffnen. Von eineinhalb Millionen, die fehlen würden, hätten Selch und Co. seinerzeit gesprochen, schlussendlich bezifferte der Vertriebsgigant die Mehrkosten pro Exemplar mit 0,0211 Euro. Grünberger: „Anstatt sich mit uns zusammenzusetzen und ein neues Szenario durchzusprechen, stellt man uns jetzt vor vollendete Tatsachen und sperrt den Bereich zu.“ Das sei völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar.

 

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Bildcredit: Adobe Stock