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Der legendäre Regal-Herausgeber Manfred Schuhmayer zieht sich zurück

 

ED: Jetzt ziehen Sie sich endgültig zurück. Mit 79 kann man das tun. Haben Sie eine Träne im Knopfloch?

Manfred Schuhmayer: Eine Träne nicht, aber es ist sicher Wehmut dabei.

ED: Wenn man von der Presse kommt, aus einem etablierten und abgesicherten Job als Ressortchef Wirtschaft, und sich dann in die Selbstständigkeit eines eigenen Zeitungsverlages wagt: Was geht einem da als junger Mensch durch den Kopf?

Schuhmayer: Bei der Presse war es eine theoretische Aufgabe, über Wirtschaft zu schreiben. Ich wollte zeigen, dass ich Wirtschaft in der Praxis kann. Als Geschäftsführer, als Unternehmer. Und nichts eignet sich da besser als eine eigene Zeitung. 

ED: Und Sie hatten das Geld dafür?

Schuhmayer: Überhaupt nicht.

ED: Woher kamen die Mittel?

Schuhmayer: Ich habe für Kurt Falk und Hans Dichand ein Projekt entwickelt und dafür 100.000 Schilling bekommen.

ED: Was für ein Projekt?

Schuhmayer: Es sollte eine Ausgabe der Zeit in Österreich sein. Zeitbild sollte das heißen. Und das wäre zustande gekommen in Verhandlungen, die ich mit Gerd Bucerius und dem berühmten Journalisten Theo Sommer geführt habe. Das hat aber Bundeskanzler Bruno Kreisky verhindert. Ihm wäre die Macht von Dichand und Falk zu groß geworden. 

ED: Und die beiden haben sich das von Kreisky gefallen lassen?

Schuhmayer: Die haben sich das gefallen lassen müssen, denn Kreisky hat damals bei Gräfin Marion Dönhoff interveniert. Das war die große Dame der Zeit und die Lebensgefährtin von Bucerius. Damit kam das Projekt nicht zustande, und damit habe ich von Dichand und Falk 100.000 Schilling als Entgelt bekommen. 15.000 habe ich bei der Presse verdient, damit man die finanziellen Relationen dieser Zeit versteht. Damit habe ich mich selbstständig gemacht. Ich habe bis zum heutigen Tag nicht einen Schilling Kredit aufgenommen und mit Regal immer Gewinn gemacht, weil es ein einmaliges Finanzierungskonzept war.

ED: Wie hat das funktioniert?

Schuhmayer: Ich bin zu Dichand gegangen und habe ihm gesagt, ich schließe mit ihm einen Fünf-Jahres-Vertrag und bekomme dafür die ersten fünf Regal-Nummern gratis gedruckt. Außerdem bekam ich dafür im Pressehaus eine Kammer.

ED: Was hat Dichand dafür bekommen?

Schuhmayer: Einen Fünf-Jahres-Vertrag als Drucker.

ED: Die ersten fünf Nummern haben Sie bekommen?

Schuhmayer: Die habe ich bekommen. Jeder Inserent, der in der ersten Nummer gratis geschaltet hat, hat sich verpflichtet, die zweite Nummer zu bezahlen. Die erste Nummer hatte 25  Inserate. Infolgedessen waren in der zweiten Nummer 25 ganze Seiten bezahlt und die Geschichte ist gestanden.

ED: Warum der Lebensmittelhandel? Waren Sie darauf spezialisiert? Was ist damals geschehen, dass Sie sich gerade diese Branche ausgesucht haben?

Schuhmayer: Ich war überhaupt nicht auf die Branche spezialisiert und habe sie auch nicht verstanden, weil ich bei der Presse in der Finanzwelt, der Schwerindustrie und der Wirtschaftspolitik zuhause war. Aber mir schien der Lebensmittelhandel ein großer Markt zu sein. Auf der einen Seite gab es  eine sehr große Leserpotenz, auf der anderen Seite mit der Markenwelt eine große Anzahl von Inserenten, die für mich in Frage kamen. Das bedeutet, das Feld der Leser und der potenziellen Inserenten war groß. Wahrscheinlich das größte Potenzial von allen Branchen. 

ED: Dann gab es eine große skandalöse Geschichte, mit der Sie über Nacht Furore gemacht haben. Nämlich das Eintreten Hofers in den Lebensmittelhandel. Der erste große Diskonter. Was ist da passiert?

Schuhmayer: Wir haben den Lebensmittelhandel mobilisiert und haben einen Lieferanten-Boykott der Hofer-Märkte erwirkt. Die durften ihn nicht mit Marken beliefern. Das war eine riesige PR-Aktion für Regal, und damit war Regal endgültig in der Branche etabliert. Das Blatt, hinter dem jeder stand, weil jeder sagte, Regal vertritt meine Interessen. 

ED: Aber verhindert haben Sie Hofer trotzdem nicht.

Schuhmayer: Wir sind heute sehr gut mit Hofer. Die Zeiten haben sich geändert, das Management auch. Ich halte Hofer für eine exzellente Firma, die heute wahrscheinlich die expansivste und dynamischste überhaupt ist. Aber damals, vor über 40 Jahren, wurde der Eintritt kritisch gesehen. Das ist genauso, als wenn heute Tesco, eine der größten Marktketten der Welt, nach Österreich kommen würde. Da würde auch jeder versuchen, Tesco zu verhindern.

ED: Sie haben einen sehr direkten, manche würden sagen plumpen, Schreibstil entwickelt. 

Schuhmayer: Das ist aber nicht Schuhmayers Handschrift. Das ist die Handschrift des Handels. Ich schreibe in der Sprache des Handels. Nicht so, wie ein Journalist das lesen möchte. Wenn zu mir eine junge Redakteurin kommt, sage ich ihr: Wenn Sie einen Artikel schreiben, und Ihr Deutsch-Professor sagt: „Großartig, Frau Magister“, dann ist der Artikel schlecht. Wenn die Omi oder die Tante, die vielleicht sogar in einem Supermarkt arbeiten, sagen: „Maria, der Artikel ist großartig“, dann ist er gelungen.

 

Das vollständige Interview lesen Sie im ExtraDienst

Bildcredit: Pixabay