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Tabak-Konzerne betreiben heimlich Werbung auf sozialen Plattformen

 

Diese Industrie hat schon andere Zeiten erlebt. Zumindest, was das Image betrifft. Ihre Waren galten einst als Symbol für Lässigkeit und das Flair der großen weiten Welt. Coole Filmstars oder Musiker zeigten sich gerne damit, selbst Politiker machten es nicht hinter verschlossenen Türen. Wer sich mit solchen Standardutensilien lauschiger Lokalbesuche oder spannender TV-Abende nicht anfreunden konnte, galt in längst vergangenen Zeiten schon als fader Außenseiter. 

Das Blatt hat sich radikal gedreht: Heute wird das Rauchen teilweise vehement zurückgedrängt, blauer Dunst befindet sich in der Nähe zum Outlaw-Status. Wertewandel und wachsendes Gesundheitsbewusstsein haben die Lust am Qualmen stark gedämpft. Durch rechtliche Verbote ist auch der Werbespielraum für Hersteller in der Regel sehr stark eingegrenzt oder kaum noch vorhanden. Trotzdem hat die Branche gerade bei der Vermarktung immer Talent für das Austüfteln besonders kreativer Strategien bewiesen. Zur begrenzten Freude von offiziellen und privaten Gegnern des Glimmstengels. 

Eine amerikanische Untersuchung dürfte nun Wasser auf die Mühlen all jener sein, die solche Erzeuger besonders misstrauisch beäugen. Die „Campaign for Tobacco-Free Kids“ schickt nämlich zusammen mit den Konsumforschern von Netnografica eine heftige Botschaft: Tabakkonzerne betreiben angeblich heimlich Werbung auf Social Media-Plattformen, um junge Personen zu erreichen.

 

Klares Muster

 

Eine Reihe von Indizien sollen dem Vorwurf konkrete Gestalt verleihen. Zwei Jahre wurden über 100 Kampagnen multinationaler Big Player unter die Lupe genommen. Laut den Personen hinter jenem Projekt folgt die Vorgehensweise von Tabak-Kommunikations-Profis einem klaren Muster: Junge Influencer mit möglichst vielen Fans auf Instagram, Facebook und Twitter erhalten Geld und posten Fotos, die Zigaretten und Rauchen attraktiv erscheinen lassen. Jene Taktik soll in über 40 Ländern zum Einsatz gekommen sein.

Verwiesen wird gleichzeitig auf Informationen aus erster Hand. Netnografica will Meinungsmacher interviewt haben, die für bare Münze ihren Fans einschlägige Produkte schmackhaft serviert haben. Ohne den Hinweis, dass Cash im Spiel ist. Verschwiegenheit wäre wohl kaum verblüffend. Erstaunlich klingen andere Aspekte dieser Feldforschung. Demnach erhalten digitale Stimmungsmacher ein spezielles Training, welche Marken zu fördern sind, wann Bilder online gehen sollen für maximale Außenwirkung und wie man visuelles Material ohne lästigen Inszenierungsgeruch fertigt.

In Italien sollen Influencer zusätzlich die Order erhalten haben, Gesundheitswarnungen auf Schachteln nicht in das animierende Bild zu rücken. Berichtet wird in der Studie weiters von Partys und Wettbewerben der Konzerne. Dort erfolgte angeblich eine Aufforderung an Teilnehmer, Brands über Social Media-Accounts zu posten. Unter anderem versehen mit Hashtags für Zigaretten in den Posts. Da diese überwiegend in Englisch gehalten waren, hegen die Verantwortlichen der Campaign For Tobacco-Free Kids eine Vermutung: Derartige Social Media-Aktivitäten zielen generell auf eine globale Ansprache der Zielgruppe ab.

Falls solche Ziele tatsächlich anvisiert wurden, können die Macher zufrieden sein. Insgesamt sollen die rauchigen Auftritte im sozialen Online-Sektor weltweit über 25 Milliarden Views generiert haben. Inklusive der Auftritte in Ländern wie Brasilien und Uruguay, wo Tabakwerbung im Internet grundsätzlich verboten ist. Doch auch Netzwerke wie Facebook oder Instagram tolerieren keinerlei bezahlte Werbeaktivitäten für Tabakprodukte auf ihren Plattformen.

 

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Bildcredit: Pixabay