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Trotz der Übernahme durch die ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe soll die Eigenständigkeit des Senders gewahrt bleiben

Herbert Kloiber will seine defizitäre Sendergruppe ATV dem ProSiebenSat.1 Puls 4-Konzern vermachen. Beide Partner sind handelseins, der Deal ist angemeldet – bloß der Mitbewerb sendet „Störgeräusche“.

 

Im Sommer 1997 wehte ein leises Lüfterl über den österreichischen Fernsehmarkt: Da ging der private Wiener Lokalsender Wien 1 (W1) on air. Allerdings nur im Kabel und sohin nur für rund 40 Prozent der Bevölkerung erreichbar. Gegen die Übermacht des ORF auf der einen Seite und die wirtschaftliche Potenz deutscher TV-Konzerne, die durch „Österreich-Fenster“ hereinschauten und den Werbemarkt kräftig aufmischten, sah W1 keinen Stich. Nach drei Jahren Dahinwurschtelns wurde der Sender, dessen auffälligstes Merkmal in dieser Zeit die regelmäßige Ausstrahlung alter Schmuddel-Sexfilmchen gewesen war, auf österreichweites Programm ausgebaut, professionalisiert und in ATV umbenannt. Aus rechtlichen Gründen war er aber weiter nur im Kabel frei empfangbar. Als ATV 2003 infolge des sogenannten Privatfernsehgesetzes endlich den terrestrischen Betrieb aufnehmen durfte, war Österreich das letzte Land in Europa, das Privat-TV erlaubte. Noch nach Albanien, das „bereits“ 1999 privates Fernsehen zugelassen hatte.

Zwischen 2003 und 2006 firmierte der Sender in der Aspernbrückengasse als „ATV plus“, danach wieder unter seinem früheren Namen. 2011 wurde als zweiter Sender ATV2 in Betrieb genommen. Eines aber war über all die Jahre konstant geblieben: Trotz erfolgreicher Formate wie „Bauer sucht Frau“ und der Rekord-Quote von bis zum einer Million Sehern beim Fußball-WM-Quali-Match Schweden-Österreich im Jahr 2013 kam das Unternehmen nie in die Gewinnzone. Vielmehr verzeichnete es nach eigenen Angaben Jahr für Jahr Verluste im zweistelliger Millionenhöhe – kolportiert wurden zuletzt um die 15 Millionen Abgang per anno.

2016 zog Eigentümer Herbert Kloiber, der Ende der 90er-Jahre Anteile an ATV erworben und den Sender 2007 zur Gänze übernommen hatte, die Notbremse: Der 1947 in Wien geborene Filmrechtehändler und Besitzer des Münchener Unternehmens Tele 5 und der Tele München Gruppe verkündete die Absicht, ATV zu verkaufen. Den Erwerb des Senders bezeichnete er öffentlich als „größten Fehler meines Lebens“.

Mit September 2016 begann Kloiber Verhandlungen mit in- und ausländischen Interessenten. Zu ihnen gehörte die Krone- und Kurier-Tochter Mediaprint, mit der er aber nicht handelseins wurde. „Übrig geblieben ist ein Interessent, der sich mit allem Aufwand in die Due Diligence-Prüfung vertieft und ein Angebot gemacht hat, das dann auch akzeptabel war“, erzählt Kloiber dem ExtraDienst. Dieser eine Interessent ist die Münchner Mediengruppe ProSiebenSat.1, zu der neben den deutschen Marktriesen Pro 7 und SAT. 1 auch der österreichische Privatsender Puls 4 gehört.

 

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Autor: Bruno Jaschke

Bildcredit: ATV