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Die neue Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon im ExtraDienst-Interview

 

ED: Vom linksliberalen Standard zur Presse in der Zeit des erzkonservativen Andreas Unterberger, anschließend zum gutbürgerlichen Kurier: Wie geht das?

Martina Salomon: Der Standard war in seinen Gründungsjahren nicht so klar linksliberal positioniert wie jetzt. Dort waren auch Karl Danninger, der spätere Waldheim-Pressesprecher Gerold Christian oder Josef Ertl. Oscar Bronner hat sehr darauf geachtet, dass es eine gewisse Vielfalt gab. Schon damals habe ich etwa die Aufregung um Schwarz-Blau nicht geteilt, so wie heute.

ED: Man hat das Gefühl, viele linksliberale Journalisten wollen das Land verändern. Und statt in ihren Medien zu berichten, nutzen sie sie, um ihre Meinung zu verbreiten. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Salomon: Erstens: klare Trennung von Bericht und Kommentar. In meiner Antrittsrede habe ich das so formuliert: Ich will, dass weniger Häme aus der Politik und weniger Blut aus der Chronik fließt. Zudem bin ich der Meinung, Journalisten sollten nicht Politiker sein. Ich nehme die Tendenz wahr, dass Journalisten eine Mission haben und sich dazu aufraffen, Politik zu machen. Wir können berichten, wir können einordnen, wir können kommentieren, aber wir sollen keine Mission haben.

ED: Verabschiedet sich der Kurier damit von seiner kritischen Linie? Denn Helmut Brandstätter hat ja diesbezüglich ordentlich ausgeteilt. Wie auch Innenpolitikchef Josef Votzi, den Sie jüngst ausgetauscht und durch Daniela Kittner ersetzt haben. Und besondere Kritik kam ja bei der Berichterstattung rund um das Kickl-Projekt der berittenen Polizei rüber.

Salomon: Unser Kurier wird auch weiterhin kritisch sein. Aber Kampagnenjournalismus lehne ich ab. Bei Kickls Pferdeprojekt hätten wir unaufgeregter berichten können.

ED: Wie konservativ sind Sie?

Salomon: Nun, ich bin das, was man als Wirtschaftsliberale bezeichnet. Ich bin sogar für grüne Gentechnik und Freihandelsabkommen. Und habe nichts gegen die Arbeitszeitflexibilisierung. Wenn das als konservativ gilt, dann bin ich konservativ.

ED: Was schätzen Sie, wie viel Prozent der Journalisten bei Ihnen im Haus mit ihrem Job Macht ausüben?

Salomon: Journalisten üben immer direkt und indirekt Macht aus.

ED: Sie haben gerade mit Votzi eine Schlüsselfigur ausgetauscht. Stehen weitere personelle Veränderungen ins Haus?

Salomon: Ich baue – auch buchstäblich – um. Wir müssen multimedial und ressortübergreifend zusammenarbeiten, manches neu denken, schneller, kreativer sein. Dafür gibt es Veränderungen in der Mannschaft und im Newsroom. 

ED: Sie stehen zwei Jahre vor ihrem Pensionsalter. Wie lange haben Sie denn vor, den Job des Chefredakteurs zu machen?

Salomon: Ich habe in tausend Kommentaren geschrieben, Frauen sollten nicht früher in Pension gehen als Männer. Darum denke ich noch gar nicht daran. Ich wurde auch mit Mitte 50 schon gefragt, wann ich in Pension gehe. Da war ich echt schockiert. Das wäre mir langweilig.

ED: Was halten Sie vom 12-Stunden-Tag?

Salomon: Den lebe ich sowieso.

ED: Was sagen Sie zu den Kommentaren anlässlich der Einführung?

Salomon: Da muss ich aufpassen, weil da unser Betriebsrat auch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. Aber gerade Journalisten haben traditionell kein echtes Zeitlimit und sollten auch nicht alles auf die Zeitwaage legen. Wenn eine Geschichte ausbricht, ist man dran.

ED: Twittern Sie?

Salomon: Ganz wenig.

ED: Was war Ihr letzter Tweet?

Salomon: Den weiß ich nicht mehr. Mein vorletzter drehte sich darum, wie ich Claus Pandi und Christian Ortner auf der Straße getroffen habe. Dazu habe ich geschrieben „Die üblichen Verdächtigen“ mit einem Foto von uns dreien. Aber ich bin eher eine Power-Facebookerin.

ED: Wie viele Follower haben Sie?

Salomon: Ich habe schon lang die Grenze von 5.000 erreicht. Aus dem Engagement hat sich auch mein Buch „Salomonisch Kochen“ entwickelt.

ED: Das wird der ÖVP gefallen: Eine Frau, die Chefredakteurin ist und kocht und Kuchen bäckt …

Salomon: Das konservative Frauenbild kann man nicht nur Schwarz oder Blau zurechnen.

ED: Sie meinen, das gibt es auch bei den Grünen?

Salomon: Gerade bei den Grünen gibt es viele Frauen, die gerne kochen. Zu Recht. Das Kulinarische soll man nie kleinreden. Auch bei der SPÖ habe ich sehr viele Hausfrauen getroffen. Ich würde sagen, das konservative Frauenbild ist über die Parteien gleich verteilt.

ED: Wo geht der Kurier jetzt hin? Im Internet verdienen Zeitungen kein Geld, Print ist ziemlich am Ende. Sitzen Sie da nicht auf einem sinkenden Schiff?

Salomon: Wir haben sehr treue Abonnenten. An meinen Kindern sehe ich, dass die Bereitschaft, zumindest bei internationalen Zeitungsmarken für Inhalte auch im Netz zu zahlen, da ist. Dort müssen wir hin.

ED: Aber wir sind alle noch weit davon entfernt …

Salomon: Natürlich wurden in der Vergangenheit auch Fehler gemacht, weil wir geglaubt haben, es ginge ewig so weiter. Wir werden jedenfalls in nächster Zukunft ein Erlösmodell auf den Markt bringen. Aber ich bin überzeugt, das geht eben nur mit Inhalten, die wir exklusiv haben. Für Storys aus den Bereichen Politik oder Wirtschaft, die in anderen Zeitungen auch zu lesen sind, wird niemand Geld bezahlen. Man muss die eigenen Stärken herausarbeiten.

 

Das vollständige Interview lesen Sie im ExtraDienst

Bildcredit: Kurier