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Fallstricke rund ums Copyright im Internet

 

Gott, der Herr, hat seine Schöpfung nicht patentiert. „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und (...) euer himmlischer Vater ernährt sie“, heißt es bei Matthäus. Alles Erfinden der Menschen war ursprünglich nur Finden von Gottgegebenem, Naturgesetzen, wenn man so will. Keinem fiel ein, sich das Hebelgesetz patentieren zu lassen oder das Rad. Nicht einmal Johannes Gutenberg träumte davon, Urheberrechte für die Buchstaben, die beweglichen Lettern einzufordern, mit denen er die Bibel druckte. „Gott sei Dank“, kann man sagen.

 

Der Buchdruck änderte alles

 

Der Buchdruck änderte alles auf der Welt. Nicht immer zur Zufriedenheit der Verfasser: „Nu aber drucken sie und eilen also, daß, wenn sie zu mir wiederkommen, ich meine eigenen Bücher nicht kenne“, klagte Martin Luther.

Das Immaterielle wurde materialisiert.  Ein Geistesblitz war die Frucht von Arbeit. Zumindest wollte einer von seinem „geistigen Eigentum“  leben können.

Jeder kennt das Monogramm „AD“,  das Markenzeichen Albrecht Dürers.  Alle bewunderten das Genie aus Nürnberg. Aber es waren nicht die repräsentativen Gemälde im Auftrag von Kirche und Kaiserhof, die den Meister reich machten, sondern seine Druckgrafiken. Für jeden gab es etwas von ihm: mythologische Kupferstiche in kleiner Auflage für die Humanisten, für die Frommen mit knapper Kasse Andachtsbilder,  mittels Holzschnitt massenhaft vervielfältigt. Durchaus erschwinglich. Allerdings war es üblich, gängige Grafiken nachzudrucken. Der Künstler schaute dabei durch die Finger.

Um sich davor zu schützen, stellte Dürer einen gewissen Konrad Schweitzer ein. Der sollte den illegalen „abtruck von kupffer vnd holtzwerckye“ melden. „Wehe dir, Betrüger und Dieb von fremder Arbeitsleistung und Einfällen, lass es dir nicht einfallen, deine dreisten Hände an diese Werke anzulegen!“, wetterte Dürer 1511 im Vorwort zu seinem „Marienleben“. Er berief sich auf das Druckprivileg, das ihm der Kaiser ausgestellt hatte. Dürer wollte es nicht bei Drohungen belassen,  sondern reiste nach Venedig, um den Kopisten Marcanton Raimondi zu klagen, berichtet Vasari, legendärer Biograf der Renaissancekünstler. Der erste Copyrightprozess der Geschichte! 

Angeblich konnte Dürer sein Urheberrecht  verteidigen. Doch nicht nur das: der Meister  vererbte seiner Witwe das Druckprivileg. Auch sie sollte nicht um Gottes Lohn betteln müssen. Es war ein langer Weg von Dürers Zeit zum Schutz des „geistigen Eigentums“  im Artikel 17, Absatz 2 in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union.

 

Die Debatte im EU-Parlament

 

Manchmal hat man den Eindruck, die EU-Parlamentarier seien sich höchstens beim Absingen der Europahymne einig. Und dann kommt darüber sogar Freude auf. Vor allem, weil es oft besser ist, dass es zu keinem Entschluss gekommen ist, wer zahlen soll. Die großen Plattformen, die mit dem hochgeladenen Content Milliarden lukrieren? Oder doch die vielen Nutzer, die sich bislang frei bedienen konnten?

Obwohl die bisherige Regelung von 2001 stammt, als es weder Twitter noch YouTube gegeben hat, ist es vielleicht besser, die Frage noch eine Zeit offen zu lassen.

 

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Bildcredit: Pixabay