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Ausgerutscht

Wer gesteht sich schon gerne Fehler ein? Die Welt der Kommunikation kennt meist nur die glanzvolle Seite der Medaille. Doch Fehlentscheidungen können auch eine reinigende Wirkung haben.
© Pixabay

Das Kommunikationsparkett ist glatt. So mancher ist schon auf der buchstäblichen Banane ausgerutscht

Wir machen alle Fehler, aber darüber sprechen wollen wir nicht. Wir posten lieber auf Facebook oder auf Instagram ein Leben im perfekten Ansichtskartenlook, wo das Essen schmeckt, die Sonne auf ewig scheint und die eigenen Kinder geschnäuzt und gekampelt in die Kamera lächeln. Dabei sind wir immer im Recht, auch wenn wir unrecht haben, und lassen uns dies auch durch unsere „Freunde“ bestätigen. Fehler und Fehlentscheidungen verbergen wir wie der Ehemann seine Geliebte. Seine Reue wird höchstens dem eigenen Therapeuten vorgetragen. Der verdient damit Geld, seine falsch abgebogenen Schäfchen zumindest wieder so fit hinzukriegen, dass sie ihr Ansichtskartenimage weiter hinaus in die Welt transportieren können, so lange auch nur das letzte Spitzchen der Titanic aus dem Wasser ragt. Wer gibt schon gerne zu, bei der Partner- oder der Personalwahl einen Fehler begangen zu haben? Makellosigkeit müssen wir uns bewahren, bis sich alle Tore verschließen. Deshalb sieht man überall maskenhaftes Lächeln, wobei der Ruin sie verrät, der aus den Augen blickt.

Verdammt, uns zu entscheiden

Jeder weiß, wie es sich anfühlt, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Manche bereut man ein ganzes Leben. Aber auch wenn sich Entscheidungen später als falsch herausstellen, gibt es in dem Moment, in dem wir sie treffen, häufig gute Gründe dafür. Daher proklamieren viele Psychologen: Fehlentscheidungen gibt es gar nicht. Für alle, die nach Rechtfertigung für fragwürdige Entscheidungen suchen, sei Sören Kierkegaard empfohlen, der sich selbst ein Leben lang mit diesem Thema beschäftigte. So meinte dieser: „Heirate, du wirst es bereuen, heirate nicht, du wirst es auch bereuen. Heirate oder heirate nicht, du wirst beides bereuen.“ Dies führt aber auch zu dem Schluss, dass es so etwas wie eine Fehlentscheidung gar nicht gibt. Denn immer wird das Gras auf der anderen Seite der eigenen Entscheidung grüner sein.
Das soll jedoch nicht dazu führen, dass wir jede Entscheidung des Alltags bereuen. Denn täglich haben wir unzählige zu treffen. Das Leben scheint wie ein endloses Herumirren in einem Wald voller Möglichkeiten, für die wir uns oder gegen die wir uns entscheiden müssen. „Wir sind verdammt, frei zu sein“, meint dazu Jean Paul Sartre. Dieses Gefühl der Freiheit ist, wie es der Ausspruch schon klarstellt, ambivalent. Entscheidungen zu treffen, heißt dabei, sie treffen zu müssen. Es gibt dazu gar keine Alternative, stellt Sartre fest.

Von Christian Sec

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