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Nach langer Nachdenkphase präsentiert sich orf.at auf Facebook. Eine strategische Fehlentscheidung, findet man beim VÖP. 

 

„Wir tun es. Wir tun es nicht. Wir tun es. Wir tun es nicht. Wollen wir wirklich? Wollen wir wirklich lange Jahre nach allen anderen? Wollen wir wirklich dorthin gehen, wo Katzenmemes und dubiose „Nachrichten“ den Ton angeben und fast alle damit beschäftigt sind, Empörungsbewirtschaftung zu betreiben?" Der ORF rekapituliert auf seiner Webseite einen jahrelangen Nachdenkprozess: Geht man mit orf.at auf Facebook oder nicht?

Man hat sich entschieden: Man geht. Juristisch ist das problemlos, nachdem der Verfassungsgerichtshof das frühere Facebook-Verbot für den ORF 2013 und 2014 in zwei Schritten aufgehoben wurde.

Wie das Unternehmen gelobt, soll der Facebook-Auftritt von orf.at „von den Eigenschaften geprägt sein, für die ORF.at selbst steht: Aktualität, Verlässlichkeit, Objektivität und Glaubwürdigkeit".

Aber genau darin sieht Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP), ein Problem: „Aus meiner Sicht ist es eine strategische Fehlentscheidung. Denn große Unternehmen wie Facebook, Google oder YouTube sind eine massive Konkurrenz für die heimischen Medien. Und einen Riesen wie Facebook zu stärken, indem man mit Gebühren finanzierten, hochwerten Content hinaufstellt, ist meiner Meinung nach ein Fehler."

Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbandes Österreichischer Zeitungsverleger (VÖZ): „Digitale Aktivitäten des ORF werfen ja bekanntlich eine grundsätzliche Frage auf – nämlich jene, ob es tatsächlich Aufgabe eines gebührenfinanzierten Rundfunks sein soll, online presseähnliche Produkte anzubieten. Angesichts der zahlreichen Herausforderungen auf dem heimischen Medienmarkt ist die Situation für den Verband Österreichischer Zeitungen eindeutig: Medien, die sich rein kommerziell finanzieren, brauchen bei der Entwicklung von neuen digitalen Geschäftsmodellen keine zusätzliche Konkurrenz vonseiten des Gebührenfunks. Wir sehen die jüngsten Aktivitäten daher bekannt kritisch und werden unsere Positionen bei einer allfälligen Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seines Auftrags auch deutlich zum Ausdruck bringen.“

Bildcredit: Screenshot Facebook