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Der Hahn wird nicht mehr krähen

Nur mehr zwei Anbieter von Frühstücksfernsehen: ORF und Puls 4

Frühstücksfernsehen ist in Österreich vergleichsweise ziemlich sehr spät in die Gänge gekommen: RTL strahlt „Guten Morgen Deutschland" bereits seit 1987 aus, im selben Jahr ging auch „Guten Morgen mit SAT 1" on air. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF stiegen erst 1992 ein. Das war aber immer noch 12 Jahre bevor es in Österreich das erste Frühstücksfernsehen gab.

Puls 4 besetzte die Marktlücke und konnte sich damit gewissermaßen in ein gemachtes Bett legen:  „Café Puls" blieb lange Zeit das Aushängeschild und der (zweistellige) Quotenbringer des Senders, der zur ProSiebenSat.1-Gruppe gehört. 2016 zog der ORF nach und realisierte sein eigenes Projekt „Gutem Morgen Österreich". Dessen Marktanteile liegen mit 25 bis 30 Prozent über dem Senderschnitt von ORF 2. Damit kann Puls 4 nicht mithalten - dem Sender bleibt aber der Trost, die 12- bis 49-jährigen im Regelfall stärker anzusprechen.

Bis Juli mischte ein dritter Sender im Kampf um morgentliche Zuschauer mit: „Servus am Morgen" lag mit zwar auch über dem Senderschnitt, doch mit Marktanteilen im niedrigen einstelligen Bereich war die Bilanz doch sehr mager - zumal angesichts der Kosten des aufwändigen Formats. In Deutschland wurde „Servus a Morgen" bereits 2015 abgestellt. In Österreich ging die Sendung im Juli dieses Jahres auf „Sommerferien", in denen sie evaluiert, kalkuliert - und letztlich  gekübelt wurde: „Servus am Morgen" wird, wie extradienst.at aus dem Sender erfuhr, nicht wiederkommen (auf der Sendefläche laufen jetzt Dokus). Auch ein Nachfolge-Format steht derzeit nicht zur Debatte. Der Abschied vom Experiment Frühstücksfernsehen ist insofern nicht ganz unironisch, als Servus TV derzeit erfolgreich ist wie noch nie: Gerade erst im September erreichte der Sender mit 2,4 Prozent den höchsten Marktanteil in seiner Geschichte.  Auf der anderen Seite ist es ein Gebot der ökonomischen Vernunft, sich auf dem Gebiet Frühstücksfernsehen nicht in einem sinnlosen Kampf mit den zwei Großen zu verschleißen – und sich auf die eigentlichen Stärken zu konzentrieren, die offensichtlich von einer steigenden Anzahl von Sehern geschätzt werden.

 

 

Bildcredit: Screenshot