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Ungarisches Oppositionsblatt Magyar Nemzet wird eingestellt

 

Knapp vor dem 80-jährigen Jubiläum wird neben dem Rundfunksender "Lanchid Radio" auch die regierungskritische Tageszeitung Magyar Nemzet zu Grabe getragen. Die Liste der Orbán-Opfer wird somit wieder um eine Episode reicher, der kritische Journalismus um eine Stimme schwächer.

Eigentümer Lajos Simicska, in früheren Jahren noch Orbans Busenfreund, ist seit Anfang 2015 sein erklärter Intimfeind. Er, Simicska, hatte die Fidesz-Regierung tatsächlich durch kritische Berichterstattung stürzen wollen.

Der Preis dafür war hoch. Der Entfall staatlicher Werbeeinnahmen zeigte Wirkung und machte aus seinen Medienunternehmen defizitäre Gesellschaften.

Die staatliche Macht über die Medien geht mittlerweile so weit, dass nur mehr der Online- und zum Teil der Wochenzeitungsmarkt – wobei dieser zumindest in gedruckter Form vergleichsweise wenige Menschen erreicht – nicht unter staatlicher Kontrolle ist.

Heute gilt unter den fünf größten Nachrichtenportalen des Landes allein "Origo" als Fidesz-nah. Weitere regierungsnahe Portale wie "888.hu" oder "pestisracok.hu" sind weit abgeschlagen in der Gunst der Ungarn, genauso wie die Internetseite der offiziellen regierungsnahen Tageszeitung Magyar Idök.

 

Andere Wege, andere Mittel

Fehlende finanzielle Mittel lassen die noch unabhängigen Medien des Landes jedoch zu eher branchenunüblichen Methoden greifen, wie etwa Crowdfunding im Falle der Internet-Ausgabe der renommierten Wochenzeitung hvg oder des Nachrichtenportals 444.hu.

Was mit den verbliebenen ungarischen Medien passiert, die noch nicht von Orbán in die Knie gezwungen wurden, ist noch unklar.

 

Bildcredit: mno.hu/Screenshot