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Hass und Fanatismus: Das Pressefoto des Jahres 2017

 

Ein Polizist, der den russischen Botschafter bei einer Ausstellung erschossen hat, ist das Motiv des World Press Photos 2017. Langjähriger Geo-Chefredakteur kritisiert Wahl. 

 

Alles andere als erfreulich ist der Blick auf die Bilder, die die World Press Photo Foundation als die besten des Jahres 2017 gekürt hat. Krisen, Gewalt und Elend sind die vorherrschenden Motive.

Den ersten Platz machte das Foto des türkischen Polizisten Mevlüt Mert Altintas mit hochgereckter linker Hand und der Leiche des russischen Botschafters Andrej Karlow zu seinen Füßen. Der 22jährige fanatische Islamist hatte den Botschafter bei einer Ausstellung in Ankara erschossen. Anschließend wurde er von Sicherheitsbeamten getötet. Der Fotograf Burhan Ozbilici war bei der Ausstellung anwesend und drückte für die Nachrichtenagentur AP auf den Auslöser.

Nicht überall findet die Wahl des Bildes zum Pressefoto des Jahres Zustimmung. Peter-Matthias Gaede, langjähriger Chefredakteur des Magazins Geo, fragt in einem Kommentar für den deutschen Branchendienst meedia.de: „Musste die Jury dieses Bild wählen? Wieso müssen wir zu den Protagonisten unserer Zeit die Mörder machen? Wieso nicht jene, die noch zivil aufstehen und aufbegehren?"

Der Absicht der Jury, den „Hass unserer Zeit" herauszustreichen, hätten andere, geringer prämierte Bilder besser entsprochen: „Etwa jene von blutenden, paralysierten, geschockten Kindern in den Städten des syrischen Krieges. Und auch ,schonungslos‘ sind andere Bilder noch mehr: Etwa jene von den um ihr Überleben kämpfenden Flüchtlingen in den Fluten des Mittelmeers oder von den Opfern eines Attentats auf pakistanische Anwälte, die sich gerade versammelt hatten, um eines toten Kollegen zu gedenken."

Der Preis für das weltbeste Pressefoto wurde heuer zum 60. Mal verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Die preisgekrönten Bilder, ausgewählt aus mehr als 80.000 Einsendungen, gehen als Ausstellung auf Tournee. Der Auftakt wird am 14. April im De Nieuwe Kerk in Amsterdam sein. Daraufhin macht die Ausstellung Station in 44 weiteren Städten in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika (nicht in den USA!) und Australien. Auch Wien ist auf dem Tour-Plan - hier werden die Fotos vom 15. September bis 22. Oktober in der Galerie Westlicht zu sehen sein. 

 

14.02. 2017 / red

 

 

 

 

Bildcredit: Burhan Ozbilici