Skip to content. | Skip to navigation

 

Der Spiegel hat mit seinem Martin-Schulz-Nahporträt eine Super-Story und macht nichts daraus.

 

Über 150 Tage hat Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen den SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz im deutschen Wahlkampf begleitet. Er hat dabei ein eindrucksvolles Porträt des Politikers gezeichnet, dessen emotionale Verfassung zwischen Siegeswillen und Resignation schwankte. In der Spätphase des Wahlkampf, so suggeriert die Story, dürfte Zweiteres deutlich überwogen haben.

Ausgebrütet hat die Idee Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer nach einem Vorbild des Magazins New Yorker, das Barack Obama während seiner letzten Tage als US-Präsident begleitet hatte. Schulz stellte nur die Bedingung, dass das Porträt erst nach der Wahl erscheinen dürfe, griff aber nicht in den Text ein.

„Feldenkirchen konnte mit Schulz im Taxi, im Flugzeug und zu Fuß reisen, ihn zu 50 Terminen begleiten; Strategiesitzungen, späte Currywurst-Dinner, ein letzter Kaffee (beziehungsweise Kräutertee, durch Inge Schulz ausgetauscht) am Wahlsonntag auf der Terrasse in Würselen inklusive“, berichtet Brinkbäumer.

Einmal fragte Schulz Autor Feldenkirchen: „Wie soll das später eigentlich heißen, was Sie da schreiben: So wird man Oppositionsführer?“

Nun wirft die Spiegel-Geschichte zwei Fragen auf. Die erste ist das Problem des Martin Schulz: Wie weit eignet sich Politiker, der offensichtlich so wenig von sich selbst überzeugt ist, als Leader einer Partei?

Die zweite Frage aber ist: Warum hat der Spiegel so wenig aus seinem Knüller gemacht und nicht mehr Marketing in eigener Sache betrieben? Zumal sich die Chance auf eine weitere derartige Nahaufnahme so schnell nicht mehr bieten dürfte. Die Bild-Zeitung jedenfalls griff die Vorlage gleich auf, titelte: „Die Schulz-Offenbarung", brachte die fünf griffigsten Zitate aus der Spiegel-Story und spann den Faden weiter, indem sie fragte: „Kann Schulz jetzt noch SPD-Chef bleiben?"

Bildcredit: Der Spiegel