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Smartphones und Tablets, so berichtet der Mediendienst meedia.de, verändern den Journalismus grundlegend. Die Kommunikation mit dem Leser werde immer wichtiger, und dies übernehmen in steigendem Maß Maschinen. Beim Digital Innovators' Summit in Berlin geht es genau um dieses Thema.

Und dazu brachte der deutsche Fachdienst ein Interview mit dem Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitungsverleger. Dort meint Stephan Scherzer, Mobile bringe rund um die Uhr den direkten Kontakt mit der Zielgruppe. Zu jedem Thema gebe es Zeitschriftenmarken, die starke Communitys bilden können. Am Beispiel Kochen erklärt Scherzer: „Neben dem Magazin gibt es eine Webseite mit Rezepten, dazu kommen Veranstaltungen, nützliche Apps, Erklär-Videos, auf denen gezeigt wird, wie der Trick mit dem Messer funktioniert, wenn man die Zwiebel ganz klein bekommen will.“

Zum Thema Sprachenkennung erläutert Scherzer am Beispiel von Alexa, der Stimme von Amazon Echo: „Was wollen Menschen? Convenience, also Einfachheit. ,Lies mir mal schnell die zehn wichtigsten News des Tages vor!‘ – das ist sehr einfach. Ich muss nicht auf die Nachrichten warten und keine Webseite aussuchen. Das ist bequem. Ich denke an die Hausfrau oder den Hausmann mit dem Kind im Arm. Mit der Maschine können Sie reden. Und das wird Kommunikation und Medienkonsum enorm verändern.“

Es sei allen Medien geraten, sich schon jetzt mit diesen Systemen zu beschäftigen. Es sei perspektivisch eine zentrale Entwicklung neben den Themen Automatisierung, Robot-Journalismus und selbstlernende und selbstschreibende Systeme: „In zehn Jahren werden diese Systeme flächendeckend im Einsatz sein, es geht jetzt los.“

Scherzers Sermon gipfelt in dem Satz: „In fünf Jahren werden wir bei vielen Texten nicht mehr wissen, ob ein Redakteur oder eine Maschine sie geschrieben haben.“

Da wird Scherzers Nomen zum Omen. Denn wenn man sich gewisse Texte im heimischen Journalismus anschaut, dann weiß man heute schon nicht mehr, ob das ein Redakteur oder eine Maschine geschrieben hat oder der wichtigste Mitarbeiter der Tageszeitung Der Standard, der, wie jüngst auf der VÖZ-ADGAR-Gala von der Tagespresse gescherzt wurde, das lachsfarbene Blatte soeben verlassen hat: Der Mitarbeiter heißt APA.

Die Maschinen werden sauschlechte Geschichte liefern. Sie werden das machen, was schlechte Journalisten machen: Stehlen, zu sehr und zu nahe an ausgesendeten Pressetexten picken, ihre einzige Recherche wird nicht im gesprochenen Wort, im Verstehen von Strömungen, Stimmungen, Gefühlen, aber auch im Erspüren der Unwahrheit, der Lüge, des Reinlegers liegen. Denn Maschinen haben keine Gefühle. Noch nicht. Und das Gefühl, der Riecher, das Erspüren der wahrhaftig guten Geschichten ist doch genau das, was in Zeiten wie diesen den Journalismus in einem gutgemachten Medium von elektronischen Fake News, billig übernommenen PR-Aussendungen, Meinungsjournalismus oder zusammengestoppelten, aus mehreren Quellen gebastelten Berichten unterscheidet. Wenn die Maschinen das

Ruder übernehmen, dann ist´s vorbei. Dann passiert das, was in schlecht organisierten Redaktionen oder in jenen, die besonders sparen müssen (man denke nur an die Konstellation Wirtschaftsblatt – Presse) heute vielfach an der Tagesordnung ist. Wo ein und dieselbe Wurscht mit drei verschiedenen Vorspännen in mehreren Medien erscheint. Das nennt sich dann Information. So gesehen kommen keine guten Zeiten auf uns zu …

 

20.03. 2017

 

 

 

Bildcredit: Screenshot meedia.de