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ED hörte sich um, was Branchen-Experten zum Spruch des Schweizer Schiedsgerichts in der Auseinandersetzung zwischen Christoph Dichand und der Funke-Gruppe denken. 

 

Fraglos einen enormen Erfolg für Christoph Dichand bedeutete der Spruch des Schweizer Schiedsgerichts, der dem Sohn des Krone-Gründers Hans Dichand gegen den Widerstand des Hälfte-Eigentümers Funke Gruppe weiterhin den jährlichen Vorabgewinn garantiert und die Entscheidungshoheit über die Kronen Zeitung sichert.

ExtraDienst hörte sich um was Branchenproponenten dazu sagen. Faktisch wollten wir wissen,

  1. wie sie den Spruch des Schweizer Schiedsgerichts beurteilen
  2. ob der Entscheid – der Dichand jedenfalls alles andere als schwächt – Auswirkungen auf den österreichischen Medienmarkt haben wird
  3. ob langfristig mit einer Übernahme der 50 Funke-Prozente durch Dichand zu rechnen ist.

 

Matthias Karmasin, Medienwissenschaftler 

  1. Als Kommunkationswissenschaftler (mit beschränkter juristischer Expertise) kann ich nur davon ausgehen, dass dem Privatrecht und dem Grundsatz pacta sunt servanda bzw. den guten Sitten entsprochen wurde.
  2. Da ja der status quo erhalten bleibt, denke ich dass sich nicht viel verändern wird. Allerdings müssen die in der Tat beträchtlichen Gewinntransfers erwirtschaftet werden, was angesichts der Lage des Medienmarktes eine Herausforderung darstellen dürfte.
  3. Das ist schwer einzuschätzen,  denn eigentlich ermöglicht der status quo ja ein relativ risikofreies Agieren und mit „Heute" hat man ja ohnedies ein „Spielbein“- warum sollte jener Teil der Vertragspartner, der eigentlich durch die Lage der Dinge begünstigt ist, und auch noch die Kontrolle hat, an dieser Lage etwas ändern wollen und dafür ein viel höheres Risiko in Kauf nehmen?

 

Christian Rainer, Herausgeber profil 

  1. Ich respektiere Gerichte. Zumal Schiedsgerichte, denen sich die Vertragspartner konkret unterworfen haben. Sonst müsste ich auch gegen Ceta sein.
  2. Der Spruch macht das Management von „Krone“ und Mediaprint nicht leichter, und das in ohnehin turbulenten Medien-Zeiten.
  3. Da müssen Sie Hans Dichand fragen, der ja noch als 50-Prozent-Eigentümer eingetragen ist.

 

Elisabeth Berger-Rudisch, LTG. Kommunikation Moser Holding

Wir kennen die Verträge zu wenig, um hier profunde Auskunft geben zu wollen, Spekulationen waren noch nie so das Unsere.

 

Fritz Hausjell, Medienwissenschaftler und Historiker

  1. Der alte Hans Dichand war in den späten 1980er Jahren ein schlauer Verhandlungsfuchs, denn die ihm damals eingeräumten Vorrechte - insbesondere der garantierte Gewinn - gelten immer noch, obgleich die Cashcow „Krone“ längst nicht mehr diese große Gewinnquelle ist.
  2. Dichands Erben können die nächsten zwei Jahre ruhig schlafen und gut überlegen, ob es sich auszahlt, die „Krone“-Anteile von der Funke-Gruppe zurückzukaufen. Die Anteile werden jedenfalls immer billiger. Die Funke-Gruppe dürfte immer immer verkaufsbereiter werden. „Unverändert hält der Konzern an seiner Rückzugsstrategie aus Osteuropa fest“, heißt es im per 8. März 2017 im „Bundesanzeiger Jahresabschlüsse“ veröffentlichten Konzernabschluss der Funke Mediengruppe zum Geschäftsjahr 2015 im Punkt 1.2 Unternehmensstrategie auf Seite 42. 2014 schrieb die Gruppe noch einen Gewinn in Höhe von 12,3 Mio. Euro, 2015 einen Konzernverlust von 8,6 Mio. Noch deutlicher sind indes diese Zahlen: Der Konzern erwirtschaftete 2014 ein „Konzernergebnis vor Gewinnabführung“ in Höhe von 54,3 Mio. Euro und leistete „aufgrund eines Gewinnabführungsvertrages“ 38,9 Mio Gewinnabführung. Im neu vorliegenden Konzernabschluss 2015 betrug der Konzerngewinn vor Gewinnabführung (in Höhe von 22,3 Mio.) nur mehr 16,6 Mio. Auch für den „Kurier“ bleibt durch diese Entschiedung vorerst die Funke-Gruppe ein wichtiger wirtschaftlicher Partner.

  3. Warum sollte sie, wenn dank wiederholter Schiedsgerichtsentscheidungen ohnedies die publizistischen Entscheidungen im wesentlichen in Wien durch die Dichands erfolgt bei einem gesicherten Gewinn durch die Funke-Gruppe?

 

15.03. 2017 / red

 

 

 

 

 

 

 

Bildcredit: Mucha Verlag