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Ninja Warrior Austria - noch nie war abschalten schöner.

 

„Wenn ich nur aufhören könnt...“ heisst der Slogan, den Medienjournalisten ganz besonders hassen. Wenn du dir ein Programm, eine Show oder ein Event berufsbedingt anschauen musst, das du sonst nie nie nie bis zum bitteren Ende verfolgt hättest.
Ninja Warrior auf Puls 4 ist das Paradebeispiel für TV Masochismus der härtesten Sorte. Da lassen die drei Moderatoren keine - von der klassischen Austrosportbericherstattung gelernte - Platitüde aus. Ob „geil“, „machbar“, „er geht das langsam an“, „suuuuper“, „wie hat das passieren können“ - die Phrasendreschmaschine der Präsenter läuft jede Sekunde der packenden Sendung auf vollen Touren.
Wobei wir zum Thema „packend“ gleich kommen werden ...
Und dann hauts einen Kandidaten nach dem anderen aus dem Parcours. Ob‘s daran liegt, dass die Polizisten, Studenten oder eingebürgerten „fliegenden Holländer“ nur möglichst schnell von den am Spielfeldrand platzierten Moderatoren wegrennen wollen und deshalb zu ausgepowert für die tödliche Schlussleiter sind? Oder ob sie hoffen, sich das Schlussinterview mit Dori Bauer mit ihrem Ausfall zu ersparen? (nö, an der kam keiner vorbei).
Muss man sich die Drei von der Schwatzstelle merken? Florian Knöchl, immer ganz knapp am (Stimm)Bruch und Mario Hochgerner, der sich aus den Niederungen der Trivialität emporzuhieven sucht (vergeblich) - die Ansager und Senfabsonderer ergänzen sich wie Ninja & Nation, wie Schnitzl & Fritzl oder wie Hinz und Kunz...
Wieso hat Puls 4 zwei Moderatoren an der Seite der Athletenfolterbahn platziert? Warum spart man nicht einen? Oder gleich alle zwei? Überhaupt jetzt, wo man ATV am Hals hat?
Doch das Schlimmste an der saugeilen Show (in der Kandidat Geilitz natürlich ein geiler Typ ist) ist Dori Bauer, im knappen Outfit - mit dem Klischeedekoltee gegenüber ihren Kollegen in Vorteil - die keinen Kandidaten auslässt. Im engsten Sinn des Wortes.
Die Ansagerin, Schnellsprecherin und fourlaut Wichtigtuerin schmeisst sich an jeden Muskelprotz, der das Warrior-Wagnis durchgestanden hat, so intensiv ran, dass du als Zuseher schon schockstarr auf das nächste „Interview“ wartest. Wie wird sie den Nächsten betatschen? Umarmen? Oder komplett umklammern? An sich ziehen? An sich zerren? Nur den Arm um (auf/an) die Schulter legen? Oder kommt da (noch) mehr?

Spätestens seit der jüngsten Wahlberichterstattung wissen wir (angetatschter Strolz), dass selbst österreichische Politiker ein Recht auf körperliche Distanz auch nach Siegen fordern (und auch haben) und dass Knutschen - besonders im Sport - letztklassig ist, weiß seit kurzem selbst der lernunwilligste Schröcksschreck.
Und jetzt das: Als Dori bohr i jedes Muskelpaket an? Da wird aus televisionärer Belustigung verbale und körperliche Belästigung und du überlegst unter #metoorunawayfromdori deinen Frust zu posten. Dabei muss das Sixpackpacken für die Puls 4-Mitarbeiterin doch einigermaßen unangenehm gewesen sein, denn die halbnackterten Parcourscheiterer, abgekämpft, ausgelaugt und verschwitzt, stinken wie Fuzzi Tanspirante 100 Meter gegen den Wind. Und just dann schmeisst sich die fesche Dori auf die? Aber echte Ninja Warrior kratzt das nicht, denn die „sind echt ready...“
Wenn Dori „zum Trösten parat steht“ ... Da drückt selbst die eifersüchtigste Freundin, die auch schwitzt, weil sie mit ihrem Schatz mitgefiebert hat, beide Augen zu, wenn Dori ihr Schatzerl betatscherlt. Doch Obacht: schon in ein paar Jahren könnte Bauer für ihr TV-dokumentiertes Übergriffsverhalten die Rechnung präsentiert bekommen. Nämlich dann, wenn die geschundenen Mannsbilder sich der Belästigungen ihres Lebens entsinnen und mit den „Tatscherinnen“ abrechnen.

 

Telekratius

Bildcredit: Screenshot