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Offener Brief an die Redaktionsverantwortlichen der Tageszeitung Der Standard, insbesondere an Oscar Bronner, Mag. Alexander Mitteräcker, Dr. Alexandra Föderl-Schmid und, für etat.at, Harald Fidler




Sehr geehrte Standard-Verantwortliche!


Das offizielle Organ der chinesischen Führung heißt Renmin Ribao, das bedeutet in der Übersetzung so viel wie Volkszeitung.

Ich war jüngst in China und habe mir die „Arbeit“, die dieses so genannte Volksorgan leistet, von Chinesen erläutern lassen. Dort erscheint nichts, was nicht regierungskonform ist. Dort wird die Vergangenheit verändert und die Gegenwart angepasst.

Ich habe bis dato nicht gewusst, dass das auch beim Standard Usus ist. Offensichtlich passiert auch bei ihnen nur das, was dem Herausgeber, der Chefredakteurin und dem Ressortverantwortlichen Fidler in den Kram passt. Die Wahrheit? Wurscht.

Zumindest kann ich das in meinem Fall mit Fug und Recht behaupten: Der wohl größte medienpolitische Aufreger des heurigen Jahres war die Affäre Armin Wolf.

Die jüngst beim Rücktritt von Vizekanzler Rudolf Mitterlehner, der Wolfs untergriffige Formulierungen in direktem Zusammenhang mit seinem Rücktritt brachte, ihren Höhepunkt fand.

Der Standard hat in diversen Beiträgen über die Causa berichtet. In Kommentaren, in Artikeln, in Zitaten, in Interviews und den Übernahmen von Reportagen aus anderen Medien.

Ich bin überzeugt davon, dass es Ihnen als informierte Medienmacher nicht entgangen ist, dass die ganze Wolf-Diskussion besonders durch eine Veröffentlichung, nämlich meinem Leitartikel auf www.extradienst.at am 10. April 2017, ausgelöst wurde. Kein anderer Verleger – auch nicht aus dem ORF selbst – hatte es bis dato gewagt, sich derartig offen und affrondabel über den „König des ORF“ zu äußern. Die Schockwelle darauf war gewaltig. Unzählige Leitmedien haben darauf Bezug genommen, mich zitiert, mich zu Beiträgen eingeladen, respektvoll meine Urheberschaft an diesem durchaus spannenden Thema gewürdigt.

Einzig der Standard hat in einer erbärmlichen Art und Weise jeden Verweis auf mich unterdrückt, jede Zitierung unterlassen und zum Teil mit kryptischen ums Eck-Formulierungen verzweifelt darum gerungen, nur ja den Namen Christian Mucha nicht nennen zu müssen.

Sie haben mir seinerzeit mitgeteilt, Frau Föderl-Schmid, dass Sie in jungen Jahren bei Ihrer Arbeit in meinem Verlag viel gelernt haben. Dass das spannend und professionell war.

Heute weise ich Ihr Lob zurück. Wer solch eine Redaktion führt, die sich so erbärmlich verhält, der hat jeden Respekt verwirkt.

Ich darf Ihnen, Herr Bronner, Herr Mitteräcker, Frau Föderl-Schmid und Herr Fidler, mitteilen: Sie sind erbärmlich. Aber seit „1984“ wissen wir, dass jene, die das wahrhaftige Geschehen ausradieren, am Schluss untergehen.

Wenn Sie sohin ernsthaft glauben, dass Ihre Leser so dumm sind, manipulative Weglassungen nicht ganz genau als das zu entlarven, was sie sind, nämlich als manipulative Veränderung der wahrhaftigen Abläufe, dann ist Ihnen sowieso nicht mehr zu helfen.

Schlussendlich darf ich bemerken, dass mich Ihr Verhalten nicht überrascht hat: Es passt gut ins Bild dessen, was Sie journalistisch da so in den letzten Jahren abziehen (unter anderem auch mit Ihrer Profitgier, wo Sie den anonymen Postern Tür und Tor geöffnet haben). Sie haben etwas getan, was ich nicht anders erwartet habe: Einer, der unbequem ist, und der vor allem Ihnen persönlich die Wahrheit ins Gesicht gesagt hat, darf natürlich im Standard nicht vorkommen. Auch nicht, wenn er einen Scoop gelandet hat. Dass Ihr Verhalten Sie klein macht, muss dann nicht groß erwähnt werden …

 

Christian W. Mucha

Bildcredit: © cirquedesprit / Fotolia