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Aus dem neuen ED: Ein kurioses rechtliches Hickhack um den Ferrari Testarossa.

 

Mit 446 PS, 12 Zylindern und bis zu 290 km/h brauste der im italienischen Maranello gebaute Ferrari Testarossa über die Autobahnen und Highways der Welt. Er wurde nicht nur aufgrund des für die 1980er-Jahre progressiven und dennoch feinen Designs legendär, sondern auch durch seine Rolle in Kult-Serien wie Miami Vice. Diesen Männertraum gilt es nun zwar nicht aufzugeben, aber in seiner ursprünglichen Form wird man nur noch schwer an ein Exemplar kommen.

 

Markenforderung

Kurt Hesse, Chef der Nürnberger Autec AG, kennt sein Geschäft. Früher war er Vorstand von Carrera und führte die grandiosen Rennbahnen in die meisten Bubenzimmer im deutschsprachigen Raum. Er kennt sich aus mit Automarken. Dasselbe macht er heute – allerdings nicht ganz so erfolgreich wie seinerzeit – auch mit Autec: die Produktion der Marke Cartronic, Rennbahnen und die dazugehörigen Autos, mit Marken in Lizenz.

Dass er eine streitbare Persönlichkeit ist, hat der Franke bereits mehrmals unter Beweis gestellt. So will er jetzt die Produktion der „Boys Toys“ (Rennbahn, ferngesteuerte Flugzeuge und Schiffe) von China abziehen. Als mögliche Alternativen sieht er Deutschland oder Osteuropa.

Da die Lizenzkosten durchaus einen erklecklichen Kostenfaktor in seinem Geschäft darstellen, ist Kurt Hesse auf Reduktion bedacht. Als er erkannte, dass die Marke Testarossa seit etlichen Jahren nicht mehr genutzt wurde – die Produktion des Autos wurde 1996 eingestellt – klagte er ihre Löschung ein.

In diesem Interesse entschied auch das Düsseldorfer Gericht. Ferrari habe die Marke in den vergangenen fünf Jahren nicht ausreichend genutzt. „Eine Marke muss genutzt werden, damit sie geschützt bleibt“, sagte die Gerichtssprecherin. „Das hat das Unternehmen hier nicht getan.“ Laut Nachrichtenagentur dpa reagierte Hesse mit den Worten: „Das freut mich sehr.“

Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Ferrari hatte 1984 die Marke sowohl beim deutschen wie auch beim europäischen Markenamt eintragen lassen. So gab das Gericht Hesse in der Sache zwar Recht, verfügte in seinem Richtspruch jedoch weiters, dass Ferrari in die Löschung der Marke einwilligen müsse.

Ferrari brachte vor Gericht das Argument vor, dass Modelle der Testarossa-Reihe nach wie vor gewartet, repariert und aufbereitet werden. Die Richter sahen das jedoch anders: Diese Leistungen würden unter der Dachmarke Ferrari angeboten und geleistet. Und der Umfang des Ersatzteilgeschäfts sei zu gering, um in diesem Fall von Bedeutung zu sein. Ferrari legte Widerspruch ein. Dem Autohersteller bleibt nun der Gang zum Oberlandesgericht, um das Ersturteil anzufechten.

Für Markenartikler ist es bereits jetzt ein beispielhaftes Urteil. Denn es wirft die Frage auf, welche Marken tatsächlich noch gebraucht, genutzt und produziert werden, und wie weit eine Marke mit dem Unternehmen verbunden ist.

Autor: Thomas Königshofer

Bildcredit: trueautosite.com