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Auch „Austria’s Next Topmodel“ auf ATV bringt nicht gerade berauschende Quoten

 

Bei ATV läuft nichts so wie geplant.

 

Der ExtraDienst-Informant, der uns laufend mit den Interna bei ProSiebenSat.1Puls4 und neuerdings auch ATV versorgt, zeigte sich ziemlich nervös: Nach dem ins Haus stehenden Abgang von ProSieben-Vorstandschef Thomas Ebeling stehen die Zeichen in Österreich auf Sturm.

Ebeling, der zu verantworten hat, dass die Aktien der milliardenschweren Gruppe im bisherigen Jahresverlauf um 28 Prozent absackten und der sich jüngst bei einem internen Gespräch nicht gerade freundlich über den typischen ProSieben-Seher äußerte („Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert.“), hinterlässt ziemlich viel Unruhe im Unternehmen. Wird ihn Gerhard Zeiler, der dafür kolportiert ist, beerben?

Doch die große Medienpolitik bei unseren nördlichen Nachbarn kratzt uns hierzulande etwas weniger. Möchte man meinen. In einem Punkt jedoch schon: Ebeling war der, der die schützende Hand über Markus Breitenecker hielt, den Star der Austro-Privat-TV-Szene, der den ORF überholte, alles sich ihm in den Weg stellende überflügelte und ATV inhalierte. Dort sollten Arbeitsplätze erhalten, das Unternehmen saniert, die eigenständige Struktur des Hauses nicht angetastet werden. Von wegen. Erst kürzlich wurden 50 Mitarbeiter nach Hause geschickt, die Übersiedlung von ATV zum großen Bruder, der in Wirklichkeit die alles dominierende Mutter ist, ins Media Quarter Marx wird dieser Tage vollzogen und an Zusammenlegungen wird alles gemacht, was nur möglich ist.

Leider haben sich viele Programminhalte als bei weitem nicht so erfolgreich wie erhofft erwiesen. So gleicht Breiteneckers Coup „Österreichs nächster Top-Winzer“ auf Puls 4 unter der Feder von Leo Hillinger einer Berg- und Talfahrt der Quoten. Hatte man bei der ersten Folge noch 116.800 Zuseher, so sackte die zweite auf 90.600 ab, bei der dritten (93.400 Zuseher) und vierten (95.500) konnte man sich erholen und in der letzten Quote hatte man 88.000. Doch auch „Austria’s Next Topmodel“ auf ATV bringt nicht gerade berauschende Quoten (die jüngste Folge konnte mit 85.000 Sehern mühsam das Niveau der letzten Staffel, die noch auf Puls 4 lief, halten) und der von Breitenecker hochgepriesene Gewaltcoup mit „Ninja Warrior Austria“ bilanziert durchwachsen.

All dies und noch viel mehr treibt dem ProSiebenSat.1Puls4- und neuerdings ATV-Chef die Schweißperlen auf die Stirn, noch dazu, wo sich jetzt seine schützende Hand verabschiedet. Und bei ATV: Da erscheint alles gescheitert. Mit den Werbeergebnissen liegt man deutlich hintendran. Personell funktionieren die Dinge bei weitem nicht so wie sie sollen und budgetär ist das Ganze eine weit größere Aufgabe als Breitenecker es in seinen kühnsten Albträumen befürchtet hat. Eine Zusammenlegung der Sender, eigentlich die einzige Möglichkeit, um das ganze Spiel rentabel zu machen, ist deshalb nicht möglich, weil von der Wettbewerbsbehörde BWB folgendes vorgeschrieben wurde:

  • Beibehaltung des Sendernamens; klarstellend wird festgehalten, dass da-
  • von das Recht unberührt bleibt, den Sendernamen insofern zu adaptieren, als im Sendernamen vor- oder nachgestellt Ergänzungen zu "ATV" erfolgen dürfen.
  • P7S1P4 wird aktiv keine Maßnahmen setzen, um den aktuellen Programm- platz von ATV zu verschieben.
  • P7S1P4 wird aktiv keine Maßnahmen setzen, um eine Blockbildung in Kabelnetzen in der Form zu erzeugen, wonach private national verbreitete österreichische Vollprogramme gereiht werden.
  • P7S1P4 wird auf der Homepage "oesterreichprogrammierung.puls4.com" die Kriterien für die Reihung der auf dieser Seite angeführten "Österreich-Programmierung" transparent machen.
  • ATV HD wird auf den technischen Produktionsstandard der anderen Sender der Pro7-Gruppe angehoben werden (natives HD) und auch danach bis 31.12.2020 als kostenloser Free-TV Sender am Satellit zur Verfügung stehen.
  • Standortgarantie Österreich (sowohl juristische Konstruktion als auch der tatsächliche künftige Unternehmenssitz)
  • ATV wird als eigenständiger, österreichischer Sender fortgeführt, d.h.
    • eigenständiger Geschäftsführer für den Programmbereich
    • eigenständiger Chefredakteur
    • eigenes Budget
    • eigenes Personal
    • eigenständige Programmierung
    • eigenes Redaktionsstatut

 

Was also steht zu erwarten? Unser Insider-Informant kommt mit einer überraschenden Wendung: Es ginge das Gerücht um, dass ATV an einen anderen Betreiber weiterverkauft werden soll, und gar nicht in der Gruppe verbleiben mag. Wohlgemerkt nur ein Gerücht, aber eines, das angesichts der wirtschaftlichen Probleme um den Sender, die auch Markus Breitenecker nicht bestreitet, durchaus ein realistisches Szenario wiedergibt. Breitenecker selbst meinte zu Journalisten, das Ganze sei ein wagemutiges Unterfangen, wo es sinngemäß um einen Grenzgang in kalkulatorischer Hinsicht ginge...

 

Telekratius

 

 

Bildcredit: ATV