Skip to content. | Skip to navigation

 

Öffentliche Verwarnung, kaum Sieger, viele Verlierer: Die aktuelle Media-Analyse sorgt für Unruhe.

 

Das Spektakulärste am Veröffentlichungstag der aktuellen MA ist allerdings die öffentliche Verwarnung der Mediengruppe „Österreich“. Auch, wenn man dafür ein gutes Jahr gebraucht hat. Getadelt wird nämlich der Umgang des Verlags mit der MA 15/16. Nicht glücklich zeigte sich die Mediengruppe bekanntermaßen von der Umstellung auf die Online-Befragung. Und auch mit mancher Diskrepanz zwischen Reichweite und Auflage. „Konkret geht es um die OTS-Meldung vom 13.10.2016, in der der Verlag Bezug nehmend auf die MA 15/16 von einer faktenwidrigen Erhebungsmethode, einer wenig verlässlichen und höchst umstrittenen Onlinebefragung und weiter davon spricht, dass in den meisten anderen EU-Ländern, Auflagenzahlen in die Reichweitenstudien mit einbezogen würden“, so der Verein Media-Analyse in seiner Aussendung. Des Weiteren stößt man sich an einem Newsletter, in dem die Zuverlässigkeit der MA in Abrede gestellt werde. 

„Die Annahme einer faktenwidrigen Erhebungsmethode bezieht sich allein auf ein für die Mediengruppe „Österreich“ GmbH nicht nachvollziehbares Verhältnis von Auflage und Reichweite. Demgegenüber steht, dass das alleinige Steigern der Auflage selbstverständlich nicht automatisch zu einer Steigerung der Reichweite führt“, hält der Verein fest. Die Online-Umfragen seien nicht umstritten, im Gegenteil. Und, so der Verein: Es sei keine Print-Währungsstudie bekannt, die Auflagenzahlen bei der Erhebung von Reichweiten berücksichtigt, indem sie diese in die Ergebnisse mit einfließen lasse. Daher habe man sich zu einer öffentlichen Verwarnung entschlossen.

 

Tageszeitungen: Kurier, Österreich im Minus

Wer nun vermutete, dass der Verwarnung wohl auch dementsprechende Zahlen folgen würden, lag richtig. Gegenüber der MA 15/16 gab die Reichweite von Österreich signifikant auf 7,2 Prozent nach. Rechtzeitig mit der Veröffentlichung der Zahlen folgte auch die Reaktion von Österreich Herausgeber Wolfgang Fellner und Geschäftsführer Oliver Voigt. Kritisiert wird zuerst die Kritik an der Kritik. Oder, im Wortlaut: „Es muss in einem demokratischen Land erlaubt sein, Kritik an einer – mittlerweile auch in der Branche höchst umstrittenen und zuletzt sogar von einem Gericht nicht rechtskräftig verurteilten – Marktforschungsmethode zu üben, für die alle Verlage sehr viel Geld bezahlen.“ In weiterer Folge behalten die Beiden allerdings ihre vor einem Jahr geäußerten Einwände bei. Und konkretisieren ihren Standpunkt: Die Media-Analyse vermische durch das Fehlen expliziter Fragen zur Print- oder Online-Nutzung in ihren ermittelten Leserzahlen die Print-Leser und Online-Nutzer. Dadurch seien Online-Portale, deren Namen nicht gleich der Zeitung lauten würden, im Nachteil.

Ebenfalls signifikant verlor der Kurier, der nun auf 7,4 Prozent kommt. Deutlich gesunken ist die Nettoreichweite der Tageszeitungen, die nunmehr bei 65,5 Prozent liegt. Damit wurde erstmals die Zweidrittel-Mehrheit unterschritten. Verantwortlich dafür dürfte sein, dass sich der Mittelwert der großen Titel wie Heute oder Kronen Zeitung nach unten verschob, es allerdings keine signifikante Änderung gab.

Immerhin: Aus diesem Bereich kommt einer der beiden großen Gewinner der aktuellen Media-Analyse: Der Standard, der auf 6 Prozent zulegte. Und damit die Lücke zur Presse weiter aufriss, die nunmehr auf 4,1 Prozent kommt. Der zweite große Sieger der MA sind die Regionalmedien Austria. Die mit ihren Gratistiteln nunmehr die 50-Prozent-Marke übersprangen und auf 50,5 Prozent kommen.

 

Magazine in Bedrängnis

Weniger gut lief die Erhebung für den Magazinsektor. Hier wurde etwa auch der News-Verlag schwer getroffen. Sowohl News (nunmehr 4,4 Prozent) als auch profil (4,2), trend (1,3), TV-Media (9,4), Gusto (7,4), Lust aufs Leben (1,1) und Woman (5,1) kamen auf eine signifikant niedrigere Reichweite als noch vor einem Jahr. Damit befinden sie sich allerdings in breiter Gesellschaft: Signifikant abgebissen haben auch Geo (6,1), Gewinn (3,1), Top Gewinn (1,4), Die Gratis-Titel Weekend-Magazin (12,8), The Red Bulletin (9,3) sowie der Lesezirkel (10,0), die Medizin-Zeitschrift Medizin populär (2,8) und die Frauenzeitschriften Diva (0,9), Eltern (1,2) und Wienerin (2,9).

 

ePaper

Seit 2016 beschäftigt sich der Verein zudem mit der Frage, wie die Entwicklung der elektronischen Zeitung, sprich ePaper, voranschreitet. Nicht umfasst von der Frage sind die Onlineausgaben der gedruckten Publikationen.

Demnach geben 8,8 Prozent an, mindestens eine Zeitung oder Zeitschrift ausschließlich als ePaper zu konsumieren. 11,9 Prozent bevorzugen die parellele Nutzung von Print und ePaper.

 

Bildcredit: Margot Kessler / Pixelio