Skip to content. | Skip to navigation

Die Meinungsforschung ist medial ins Gerede gekommen. Sowohl beim Brexit-Votum als auch bei den US-Wahlen oder der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten warf man der Branche vor, daneben gelegen zu haben. Die Verantwortlichen bestreiten dies.

 

Brexit-Votum, der Sieg Donald Trumps in den USA, die österreichische Wahl zum Bundespräsidenten. Die Genauigkeit der Meinungsforschung ist besonders im letzten Jahr gehörig medial gebeutelt worden.

Zu Unrecht, wie die Verantwortlichen meinen. Fake News sozusagen, um ein weiteres Wort zu bemühen, das im ablaufenden Jahr zu Ehren kam.

„Die Meinungsforschung liegt nicht so weit daneben, wie es in den Medien oft dargestellt wird“, gibt sich Bertram Barth von Integral überzeugt. „So waren die Prognosen für die letzte US-Wahl auf Bundesebene recht genau. Grundsätzlich ist aber jede punktgenaue Vorhersage ein Glücksfall; die Meinungsforschung zu tadeln, weil sie um ein oder zwei Prozentpunkte daneben lag, ist einfach unsinnig. Auch wenn natürlich ein bis zwei Prozentpunkte schon viel ausmachen können.“

Man müsse aber feststellen, dass zunehmend unseriöse Forschung und, darauf aufbauend, mediale Sensationsmache betrieben werde, so Barth weiter. Aus diesem Grund habe der Verband der Markt- und Meinungsforschungsinstitute VdMI eine Richtlinie für die Veröffentlichung von Wahlumfragen herausgegeben. Sie sieht etwa eine Mindeststichprobe (800 Interviews) und eine Methodenerfordernis vor (reine Onlineumfragen sind nicht zulässig). Der Verband fordert alle Medien auf, bei der Beauftragung und Veröffentlichung von Studien diese Kriterien zu beachten.

„Aber natürlich gibt es auch gesellschaftliche Veränderungen, welche Vorhersagen des Wahlverhaltens immer schwieriger machen“, weiß Barth. „Die wichtigste ist der Megatrend der Individualisierung. Individualisierung bedeutet, dass sich Menschen aus ihren traditionellen Zugehörigkeiten lösen. Mit diesen traditionellen Zugehörigkeiten, wie etwa berufsständische Ordnung, Altersgruppen, Dorfgemeinschaft, Religionszugehörigkeit, waren früher auch eindeutige Wahlentscheidungen verbunden. Mit der Auflösung dieser Zugehörigkeiten wird es schwieriger. Der individualisierte Mensch steht nämlich vor der Aufgabe, zu einer eigenen Entscheidung zu finden und nicht einfach eine Gruppenmeinung nachzuvollziehen, und ist oft damit überfordert.“

 

Faktencheck

Auch Dr. Paul Eiselsberg, Senior Research Director bei IMAS, will die medialen Anwürfe nicht auf der Branche sitzen lassen. Eiselsberg: „Faktencheck 1: Die Wahl des 49. US-Präsidenten im November wurde korrekt vorhergesagt. Entgegen der medialen Legendenbildung und der Mär der falschen Umfragen liegen die Fakten rund um diese Wahl eindeutig auf der Hand: Neun von zehn US-Marktforschungsinstituten sahen Hillary Clinton im Popular Vote (also in repräsentativen Umfragen) vorne. Hillary Clinton erreichte auch mehr Stimmen als ihr Herausforderer am Wahltag, genau genommen 2,8 Millionen Stimmen mehr als der republikanische Kontrahent. Die Umfragen dazu wurden fast ausschließlich in der Methodik einer telefonischen Befragungskampagne (CATI) durchgeführt, und nahezu alle zehn Befunde prognostizierten ihren späteren Sieg innerhalb der sogenannten Schwankungsbreite. Die Wahlmännersystematik der USA brachte zwar einen anderen Präsidenten, kann aber nicht als Regelgröße über die Aussage der repräsentativen, nationalen Umfragen herangezogen werden. Im Übrigen hätte ein Blick auf manche demoskopische Befunde in den Bundesstaaten – insbesondere in den Swing States – gereicht, um zu erkennen, dass viele Wahlmänner zum damaligen Zeitpunkt eben noch nicht eindeutig in die blaue (DEM) oder rote (REP) ‚Tasche‘ gezählt werden dürften.

 

Die vollständige Story lesen Sie in der aktuellen ED Print-Ausgabe!

 

Jetzt bestellen unter www.extradienst.at/abobestellung!

Bildcredit: Adobe Stock