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Meist wird zum Ende hin alles dünner. Schwächelt man am Schluss. Wir nicht.

 

Mariusz Jan Demner ist sauer. Stinksauer. Und wie so oft in seinem Leben völlig unbegründet. Das Häferl mit der dünnen Haut zuckt ja bekanntlich beim kleinsten Anlass aus. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass Demner Protokolle von Vereinen, deren hochkarätiges Vorstandsmitglied er ist, mit korrigierten Beistrichfehlern und gespickt mit Nebenbemerkungen retourniert. Seiner Darstellungskreativität „alternativer Fakten“ waren noch nie Grenzen gesetzt.

Die Methodik des Großmeisters der Werbung ist – ich darf seit vier Jahrzehnten staunenden Auges darüber berichten – immer gleich geblieben:

Erst wundert er sich.

Dann ärgert er sich.

Dann handelt er.

Dann kommt er drauf, dass die Handlung vorschnell war.

Dann schafft er alternative Fakten.

Dann argumentiert er die durch und hat es am Schluss geschafft, dass alle anderen Unrecht hatten.

Nur er war im Recht.

Ich möchte diesen oben genannten Ablauf an einem Beispiel erläutern: Die Agentur Demner, Merlicek und Bergmann verliert Merlicek. Vor zwei Jahren. Demner belässt natürlich den Namen „Merlicek“ im Firmentitel.

Nun muss etwas, was jemandes Recht ist, deshalb nicht unbedingt richtig sein. Ich darf das an einem etwas drastischen Beispiel darstellen: Nach der Scheidung von Richard Lugner von seiner fünften Ehefrau Cathy Lugner (sollten Sie jetzt kein regelmäßiger Besucher von Tratschkolumnen sein – das ist jene, die ihm auf dem Opernball in der Loge vor laufenden Kameras Nutten-Kontakte vorwarf) wurde sie von Lugner gescholten, weil sie nach der Scheidung seinen (prominenten) Namen weiterführt.

Nun ist es das gute Recht von Exfrauen, den ehelichen Namen behalten zu dürfen. Ich will nicht verhehlen, dass auch ich mich zur Riege der diesbezüglich Geschädigten zähle. Cathy Lugner, die gottseidank schön langsam in der Versenkung des Vergessens verschwinden sollte, richtete ihrem Mann via Interview aus, sie denke nicht daran, den Namen „Lugner“ abzulegen und sinngemäß: Wenn er sich weiterhin blöd spiele, dann könne er sich doch auch damit anfreunden, dass sie den Namen Lugner multipliziere. Durch diverse Adoptionen... Da wird einem dann als Ex definitiv bang ums Herz...

Als mindestens ebenso geschmacklos empfinde ich die Entscheidung Demners, mit einem rumpelstilzchenmäßigen Aufstampfen auf dem Beibehalten des Namens Merlicek in seinem Firmennamen zu beharren. Motto: „Des is mei guates Recht, und damit basta.“

Im Ärger über Merliceks Ausscheiden ließ sich dann Demner – und das ging mit einem gewaltigen Raunen durch die Branche – auch noch die Domain merlicek.com schützen. Wenn einer groß ist, wird er dann größer, wenn er andere klein macht? Behindert? Ihnen Prügel in den Weg legt? Demner argumentierte, das Ganze sei nichts anderes als ein „Geschenk“ für Merlicek gewesen und er habe gar nicht vor, die entsprechende Domain zu nutzen. Soweit zu den alternativen Fakten.

 

So berichtete ExtraDienst am 20.3.2015 die Demnersche Volte, der sich mit folgenden Sätzen zitieren ließ: „Glaubt jemand wirklich, wir wollen uns die Domains einnähen?“ Und weiter über seine Beweggründe: „Das war natürlich als originelles Überraschungs-Abschiedsgeschenk gedacht...“

Ich gebe zu, das Ganze hat mich ziemlich aufgeregt. Und wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht ganz so leicht aufzuregen bin. In vierzig Jahren bekommt man in diesem Geschäft Nerven wie Drahtseile. Und eine dicke Haut. Also rief ich Demner an und sagte ihm mit deutlichen Worten, was ich diesbezüglich von ihm halte. In solchen Momenten läuft ein Demner zur ganz großen Form auf: Denn der Mann weiß, wie man Fakten schafft. Alternative Fakten. Dazu muss man dann nur ein Mail schreiben, in dem man den, mit dem man gerade telefoniert hat, untergriffiger Argumentation und des Einsatzes extremer Schimpfwörter bezichtigt, dies garniert mit dem Anführen einer ganzen Reihe von Zeugen, die dieses Gespräch mitgehört haben.

Stimmt nur leider nicht. Das war ein Vier-Augen-Gespräch. Und nur Demner und ich wissen, was dabei gesprochen wurde. Und dabei wird es auch bleiben.

Da mittlerweile viel Wasser die Donau heruntergeflossen ist, habe ich mir erlaubt, nachzufragen, ob Demner denn die Domain an Merlicek bereits zurückgegeben hätte. Auf die Antwort von Mariusz Jan Demner warte ich noch immer. Mit gutem Grund: Die Domain merlicek.com (Faksimile) ist an einen Provider vergeben. Verdeckt, wohl damit der wahre Eigentümer nicht identifiziert werden kann. Und Rosa Merlicek, die ich auf den Seychellen im Urlaub erreiche, bestätigt unsere Recherche. Nein, die Domain habe man nicht zurückbekommen, man brauche das aber auch nicht, weil man sowieso ganz anders heiße. Merlicek selber bezeichnet das Ganze humorvoll so (und hat damit das Ex-Problem besser gelöst als vergleichsweise Richard Lugner): „Ich habe zwei Agenturen. Und ich freue mich, wenn beide gleich groß sind.“

Da Merlicek auf das Geschenk von Demner also noch immer wartet, haben wir vom Mucha Verlag ein Geschenk an Merlicek: Zur Jahreswende ist ein Mitarbeiter bei uns ausgeschieden, der mir etwas Witziges überreichte. Er hatte sich – aus eigenem Antrieb und Jux und Tollerei – die Domain www.demner.at schützen lassen. Und übertrug die an mich. Ich würde also Herrn Merlicek gerne das Angebot machen, dass ich ihm demner.at übertrage und Herr Merlicek dann demner.at gegen merlicek.com austauscht. Natürlich alle Transaktionen völlig kostenfrei, nur gegen die Eintragungsgebühr. Mal sehen, wem am Schluss was gehört.

 

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Womit ich das Thema zur diesmaligen Kommunikator-Rankinglist wechseln darf. Und trotzdem bei Demner bleibe. Beim genauen Hinsehen wird man nämlich realisieren, dass der hochdekorierte Ober-Zampano der Branche mit dem Fahrstuhl der Jurybewertungen diverse Stockwerke hinuntergefahren ist. Wenn so etwas passiert, dann herrscht immer helle Aufregung in unserer Chefredaktion. Da uns nach all den Jahren nichts Menschliches fremd ist, malen wir uns dann in unseren Alpträumen aus, wie solchermaßen Betroffene bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Satz: „Weiß ja jeder, dass die vom ExtraDienst uns nicht mögen. Die haben uns halt hinuntergetragen. Wir haben halt keine Punkte von denen bekommen. Das hat der Mucha gedreht, um uns zu schaden...“ und Ähnliches absondern.

Ich darf deshalb am Beispiel von Mariusz Jan Demner all jenen, die versuchen, die Wahrhaftigkeit, die Tragweite und die Relevanz dieses Rankings in Frage zu stellen, eine deutliche Warnung aussprechen: Demner ist an 24. Stelle der Liste gelandet. Und zwar nicht, weil wir ihn dort hinbugsiert haben, nicht, weil wir ihm weniger Punkte gegeben haben, sondern schlicht und ergreifend deshalb, weil die versammelte Jurorenschar ihn genau an dieser für ihn wohl peinlichen Stelle platziert hat.*

Sohin haben wir das Juryergebnis mit unseren Punkten weder verbessert noch verschlechtert. Wie wir das übrigens bei allen, die entscheidend Plätze verlieren, in den letzten Jahren traditionellerweise getan haben. Nur manchmal, wenn’s allzu peinlich war, haben wir von unserer Seite kosmetisch versucht, die Schmerzen der Betroffenen zu lindern. So hat die an der letzten, 1125. Stelle rangierende Caroline van Kelst immerhin noch 164 Punkte vorzuweisen. Wovon ihr – durchaus tröstlich – 120 Punkte von jenen Juroren, die der ExtraDienst-Redaktion zuzurechnen sind, gegeben wurden.

 

Wie treffsicher unsere Juroren agieren, zeigt das ex aequo-Ergebnis von Breitenegger und Wrabetz. Das meiner Meinung nach die Ist-Situation in der Kommunikationsbranche durchaus pointiert wiedergibt. Nur so, wie sich das die Agentur Czerny Plakolm vorstellt, dass deren Gesichter verschmelzen, wird’s wohl nicht laufen. Breitenegger hat sich immens viel Arbeit aufgehalst. Und künftig einen ATV-Schuldenberg von – wie man in der Branche munkelt – kumulierten 120 Millionen Euro abzutragen.

Vorausgesetzt, die Bundeswettbewerbsbehörde stimmt dem Deal zu (und daran bestehen kaum Zweifel), wird es einer gewaltigen Leistung bedürfen, den Turnaround zu schaffen. Und nur darum sei es, so verrieten Insider dem ExtraDienst, bei den Kaufverhandlungen gegangen. Eva Dichands Angebot, mit einem internationalen Konsortium dort einzusteigen, sei einerseits ein cleverer strategischer Schachzug gewesen, die Entscheidung der Bundeswettbewerbsbehörde einerseits zu hintertreiben und andererseits televisionäre Zugeständnisse und (vielleicht auch oder?) eine Minderheitsbeteiligung günstig einzusacken. Was die Heute-Chefin natürlich entrüstet zurückweisen wird und ihre Ernsthaftigkeit dokumentieren wird.

Ebenso wie Wolfgang Fellner, der detto öffentlich mitteilte, ein Angebot legen zu wollen. Über seine Medien richtete Fellner Kloiber aus, man wolle doch nichts anderes, als eine Due-Diligence durchführen. Heißt im Klartext: Für seinen frischen Sender oe24.TV hätte ein Durchleuchten der Bilanzen, der Kosten, der Strukturen von ATV schon alleine einen wesentlichen Beitrag zur Besseraufstellung des eigenen Senders bedeutet. Denn dieses Spezialwissen fehlt den Fellners, noch Neulinge im TV-Geschäft, naturgemäß.

Und wie die ebenso wie Eva Dichand die 120 Millionen Miese (wenn sie stimmen) derstemmen wollen, fragt sich jeder, der über die Finanzmöglichkeiten der handelnden Personen Bescheid weiß. Ob sich das auch für den besten Verkäufer der Branche (Markus Breitenegger) ausgeht, weiß, so verriet ein ihm nahestehender Insider, nicht einmal der Markus selbst. Er probiert’s halt...

 

* * *

 

So ist denn der vorliegende Kommunikator das letzte derartige Ranking mit diesem Prozedere und dieser mathematischen Bewertungsmethode. Ich bin sicher, dass es auch nach dem Paradigmenwechsel im ExtraDienst, der bald bevorsteht, einschlägige Rankings geben wird. Mit dem, was freilich in diesem Heft Modus ist, werden die nächsten Kommunikator-Rankings definitiv nicht vergleichbar sein.

Angesichts von knapp 200 Interventionen im Vorfeld des diesmaligen Hefts ist das wahrscheinlich ganz gut so. Sie kennen ja meine diesbezügliche Meinung: Gesetzt dem Fall, die entscheidenden Player eines Rankings würden alle intervenieren, dann wäre das Ergebnis doch wieder so, als wenn keiner eine Einflussnahme versucht hätte. Ist doch logisch, oder?

Wenn Sie sich also bei den Noten des letzten Jahres verbessert haben, dann erfreuen Sie sich daran. Und hören Sie nicht auf, sich anzustrengen. Auch wenn’s das Kommunikator-Ranking in der diesmaligen Form im nächsten Jahr nicht mehr geben sollte. Und wenn Sie sich verschlechtert haben oder ins Bodenlose gefallen sind, dann trösten Sie sich damit, dass der Stern von Christian Mucha im Sinken begriffen ist. Und schon bald hinter dem Horizont verschwinden wird. Was mich wiederum nicht im Geringsten stört, weil hinter dem Horizont liegt Frankreich. Und die Côte d’Azur. Dort liegt mein Boot. Und dort will ich schon bald hin. Ich bin überzeugt, dass Sie dafür nach vierzig Jahren kontinuierlicher Leistung in diesem Geschäft Verständnis haben.

 

Herzlichst Ihr

 

Christian W. Mucha

Herausgeber