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Wenn auf den Rücktritt vom Rücktritt der Rücktritt folgt, passt’s dann wieder.

 

Die MG MedienGruppe hat ein Problem. Leider ist ihr das zweitunangenehmste Unbill widerfahren, das man sich so ausmalen kann.

Als ich mit Martin Gastinger über die Fortführung meines Unternehmens verhandelte, war eines von vornherein klar: Die neu zu gründende Gesellschaft sollte kleiner und schlanker aufgestellt sein. Von 28 Ausgaben im Jahr wollten wir auf 18 reduzieren, die Seitenzahl pro Heft sollte deutlich kleiner und damit leichter handelbar sein als zu meiner Zeit. So weit, so hoffnungsfroh.

Für die ersten vier Monate der neuen Gesellschaft bis 31.12.2017 hatten wir uns ein realistisches Umsatzziel gesteckt. Und dann passierten zwei Dinge, die man einfach nicht vorhersehen kann: Leider haben wir gleich drei Mitarbeiter wegen unvorhersehbarer Imponderabilitäten verloren. Schlüsselkräfte, die nicht so schnell zu ersetzen sind.

Und dann ist etwas Weiteres passiert, womit keiner von uns gerechnet hat. Der – wie gesagt – zweitgrößte annehmbare Störfall: Wir haben mit der MG MedienGruppe bis 31.12.2017 bis dato viermal so viel (!) Umsatz gemacht, wie wir ursprünglich geplant hatten. Unsere Auftragsbücher sind voll wie noch nie zuvor.

Nun mag sich der geneigte Leser fragen, was es denn damit für ein Problem gebe. Man solle doch glücklich sein, dass alles so hervorragend läuft, dass die Dinge so gut bei Inserenten, Lieferanten und Lesern ankommen.

Mitnichten.

Zeit meines Lebens habe ich dafür gesorgt, dass meinem Unternehmen etwas nicht widerfährt, was vielen anderen Firmen das Genick gebrochen hat: Zu schnelles Wachstum. Das ist absolut lebensgefährlich, endet meist tödlich.

 

Und mit diesem Wachstum der MG MedienGruppe, mit dem keiner gerechnet hatte, werden wir einfach nicht fertig. Denn es ist nicht so einfach, zwei zusätzliche Chefredakteure auf die Schnelle zu finden, in der Disposition neue Mitarbeiter aufzubauen, in der Redaktion vier zusätzliche Redakteure aus dem Boden zu stampfen, in Marketing und Geschäftsleitung ein den Kapazitäten entsprechendes Management aufzustellen.

Ekaterina und ich haben daher der Bitte von Martin Gastinger, uns in dieser Notsituation verstärkt einzubringen, nach kurzer Überlegung gerne und impulsiv entsprochen.

Sohin füge ich mich aufgrund der aktuellen Situation der Faktenlage und werde ab sofort auf unbestimmte Zeit als Herausgeber des Unternehmens auch operative Vorstandsagenden wahrnehmen. Natürlich gemeinsam und im Einvernehmen mit Martin Gastinger.

Ekaterina wird ihr Engagement verstärken. Zusätzliche Kräfte werden – schon in den nächsten Tagen – auch in der Führungsetage des Unternehmens – den derzeitigen Notwendigkeiten entsprechend – die Zukunft des aufstrebenden neuen Verlagsunternehmens garantieren. Das alles muss harmonisch, sorgfältig, mit kontrolliertem Wachstum und unter steter Sorgfalt und Rücksichtnahme auf die betroffenen – zur Zeit massiv überforderten – Mitarbeiter erfolgen.

Denn derartig explosionsartiges, unvorhergesehenes Wachstum führt automatisch dazu, dass man die bewährte Mannschaft überfordert. Ich habe in 42 Jahren als Unternehmer gelernt, dass die optimale Bandbreite der Arbeitsleistung eines Mitarbeiters zwischen 75 und 85 Prozent seiner Möglichkeiten liegen sollte.

Gelegentlich kann man dann schon einmal die Couragierten aus dem Team ersuchen, ihre Leistung auf 105 Prozent des Möglichen zu erweitern, Überstunden zu machen, Wochenendarbeit einzulegen. Wenn aber die Dinge sich so entwickeln, dass der Löwenanteil der Leistung des Teams wochenlang bei 120-140 % der üblichen Kapazität liegt, dann macht man damit den größten Fehler, den ein Unternehmen machen kann: Man „verbrennt“ langjährige, erfahrene und treue Stützen des Verlages, muss Abgänge hinnehmen, und damit fällt das zugefallene Wachstum wie ein Kartenhaus zusammen. Martin Gastinger ist so klug, dies zu verstehen und zu akzeptieren.

Ich bringe die Erfahrung ein, dies nicht ausufern zu lassen. Gemeinsam werden wir die Krise von zu schnellem Wachstum meistern. Versprochen.

 

Wenn jetzt der eine oder andere daherkommt und sagt: „Eh klar, der Mucha wird sich nie zurückziehen, der wird in seinen Stiefeln sterben. Das war doch von Anfang an klar, dass der nicht auslassen kann“, dann darf ich ihm entgegenhalten: Stimmt nicht. Ich habe das halbjährige Sabbatical vergnüglichst genossen und bin alles andere als dauerhaft glücklich darüber, seit knapp zwei Monaten täglich 18 Stunden zu arbeiten, sechs Tage die Woche. Aber da es mir überraschenderweise noch immer Spaß macht und die Zeiten wegen des Paradigmenwechsels in Österreichs Politik und damit auch in der Medienlandschaft immens spannend sind, lege ich halt noch ein Alzerl drauf. Wie lang das sein wird? Ich weiß es nicht. Die Antwort heißt: Was es halt braucht. Und – mein höchstes Ziel ist es noch immer, möglichst bald überflüssig in der neuen Gesellschaft zu werden. All jene, die mich persönlich besser kennen, wissen, dass das nicht nur eine Schutzbehauptung und schnell dahergesagt ist, sondern dass dies den wahrhaftigen Ansatz für die nächste Dekade meines Lebens darstellt.

Ich bitte Sie also, Martin und mich so zu unterstützen, wie Sie mich in der Vergangenheit allein und Martin beim Start des neuen Unternehmens in unserer Tätigkeit unterstützt haben. Dafür dankt Ihnen allerherzlichst Ihr

 

Christian W. Mucha

Herausgeber