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Das große Zittern vor dem 15.10. geht um. In den Medienhäusern kracht es gehörig im Gebälk.

 

Da sind die einen, die sich – wenn das politische Pendel zugunsten Sebastian Kurz und der ÖVP ausschlägt – als deklarierte Konservative große Hoffnungen machen und vom Zorn der ÖVP darüber, im ORF von der sozialdemokratischen Spitze benachteiligt worden zu sein, profitieren möchten.

Christian Rainer etwa. Der Profil-Herausgeber mit den feschen Lederhosen, dem wechselnden Jungdamenflor und den Bergsteigermuskeln weiß, dass er zu Meilen-Gipfeln stürmen könnte, wenn der wendige Wasti wie Wotan alle anderen in die Hölle verbeißt.

Oder Rainer Nowak. Österreichs kleinster Medienmacher presse sich bei jeder Gelegenheit an Kurz heran, tönt es aus der Branche.

Die üblichen Verdächtigen für die ORF-Führung, wie Helmut Brandstätter & Co (Peter Rabl ist aus Altersgründen – immer genannt und nie gewählt – aus der Runde der potenziellen Kandidaten ausgeschieden), scharren detto in den Startlöchern. Aber auch Thomas Kralinger würde gerne etwas werden. Das muss nicht unbedingt mit der Mediaprint zu tun haben.

Und Reinhard Scolik, den die ÖVP laut Oberösterreichischen Nachrichten vom Bayerischen Rundfunk als neuen Generaldirektor für den ORF zurückholen will, rechnet sich auch einiges aus.

Nur einer ist nach persönlichen dramatischen Erlebnissen nicht mehr im Spiel um die ORF-Intendanz: Richard Grasl, der noch im Frühjahr als „Bank“ galt …

 

Dass freilich auch Typen wie Markus Breitenecker laut Gerüchte-Küche gerne ORF-General werden würden (Kann man das wahrhaftig glauben? Wird doch eh nicht stimmen – denn der kritisiert seit einem Jahrzehnt den ORF und seine Macher bzw. Machart einmal wöchentlich auf das Schärfste – und just der will sich dort angeblich reinpressen – wer’s glaubt), hat selbst Telekratius überrascht: Wenn der Vorstandsvorsitzende der ProSieben Sat.1 München, Thomas Ebeling, demnächst womöglich zu wackeln beginnen könnte (dort stehen die Zeichen auf Sturm, seit die Aktien wegen ungeschickter Sager in Bewegung geraten sind), könnte Breitenecker seinen Austro-Glassturz verlieren. Seinen Schutzmantel, der ihm die Freiheit lässt, hier so zu werken, wie er das hemdsärmelig tut.

Dann wäre es schnell vorbei mit der Freiheit und seiner Glückseligkeit. Und wie könnte man die eigene Macht-Befindlichkeit noch steigern – wohl am besten als Generaldirektor des ORF … Und - heissa - nach Redaktionsschluss äußert er sich mit einem überraschenden Statement: Er bekomme die Frage zur Zeit oft gestellt, sage aber nichts dazu. Na, wusch.

Für Wrabetz wäre Breitenecker wohl am schlimmsten. Denn die beiden vertragen sich so ganz und gar nicht. Wie man weiß...

In der Sonntags-Krone spricht Wrabetz am 1.10.2017 dann das aus, was Profis in der Branche schon früher erwartet hatten, und schickt damit ein deutliches Signal an Kurz. Der wäre schlecht beraten, mitten in der Arbeitsperiode einen erfolgreichen Generaldirektor zu schassen. Und mit einem schnell gebastelten neuen Rundfunkgesetz den ORF-Chef auszuhebeln. Das übrigens beim letzten Mal eineinhalb Jahre brauchte, bis es abstimmungsreif war. Also so schnell dürfte es wohl nicht gehen.

 

Wrabetz’ Chancen, seine Bestellung bis Dezember 2021 zu überstehen, dürften demnach besser stehen, als dies die in den Startlöchern scharrenden potenziellen Nachfolger sich ausrechnen.

Was für Wrabetz spricht, ist schnell gesagt: Ende 2017 sind erst 20% der dritten Geschäftsführerperiode um. Der ORF ist objektiv betrachtet durchaus erfolgreich aufgestellt. Wer Wrabetz als politisch abhängig einstuft, der versteht nicht, wie clever der ORF-GD sich Freiraum verschafft hat. Selbst aus der ÖVP-Parteizentrale dringt mittlerweile Respekt dafür durch, dass Bewegung in die seinerzeit starr links gerichtete Struktur gekommen ist.

Es würde alles andere als einen schlanken Fuß für Kurz bedeuten, würde er mit staatsstreichartigen Allüren den ORF-Generaldirektor stürzen. Was ihm jeder als Eingriff in die Unabhängigkeit des Unternehmens ankreiden würde. Und Kurz ist eines: Klug. Solche gravierenden Fehler macht er nicht. Dazu weiß er, dass Wrabetz das, was für einen stabilen ORF überlebenskritisch ist, auch in den nächsten Jahren spielen wird: Den Ausbau der Regionalität, das Engagement im Kulturbereich, erfolgreiche österreichische Fiction etc.

Telekratius möchte leise daran erinnern, was Gerhard Zeiler seinerzeit prophezeit hat: Demnach sollte der ORF im Jahr 2017 gerade noch die Hälfte der Reichweiten haben, die heute zu Buche stehen. Nicht schlecht, oder?

 

Alle Versuche, den ORF zu zerschlagen oder teilzuprivatisieren, hat einer verhindert: Wrabetz. Denn würden ORFeins oder Ö3 privatisiert oder der ORF zerschlagen, dann hätten die deutschen Medien das Match gewonnen. Der Zusammenhalt des ORF in seiner Breite – vielgescholten – ist sohin nicht eine Politruk-Handlung eines Partei-Soldaten, sondern die Haltung eines Politruks für den ORF, wie Wrabetz im ExtraDienst-Interview seinerzeit anmerkte.

Dazu hat sich der ORF-GD als sparsamer und umsichtiger Manager erwiesen. Auch wenn man ihm jüngst einen protzigen Sitzungssaal vorwirft oder ein Fundament für ein Studio ohne Baugenehmigung – jemand, der über 650 Dienstposten eingespart hat, der dafür gesorgt hat, dass das Unternehmen seit 2010 sowohl im Konzern als auch in der Muttergesellschaft ausgeglichen bilanziert, und der sich stolz darüber zeigen darf, dass die Rating-Agentur Euler Hermes das Unternehmen mit dem Top-Rating AA- bewertet hat, braucht sich für seine Performance nicht zu genieren.

Bevor jetzt Telekratius als Fan des Mannes, als dessen größte Merite „politisch in jeder Phase zu überleben“ gilt, missverstanden wird, nun zur Anti-These dieses Ansatzes.

Nehmen wir an, Kurz und Co. ist es nach der Machtübernahme wurscht, was Krethi und Plethi dann sagen. Und schlagen die ORF-Führung kurz und klein. Damit rechnen diverse Spitzenmanager, die dem sozialdemokratischen Lager zuordenbar sind, jetzt schon. Und haben sich auf den Absprung vorbereitet.

Der technische Direktor hat Touristikbetriebe in Kärnten erworben und wird dort komplett umsatteln. Diverse sozialdemokratische Zugpferde in der Redaktion ahnen, dass es in einer neuen Regierung um ihren Kopf geht.

 

Und Macht-Figuren wie Armin Wolf? Sich in ORF-Plakate hineinzureklamieren, wird nach einem politischen Paradigmenwechsel vielleicht nicht mehr ganz so einfach sein. Da sich die Machtverhältnisse natürlich verändern werden. Was auch für die allseits beliebte Kathrin Zechner gilt, der dann auch gute Freundschaft nicht helfen wird.

Ziehen Kurz und sein Koalitionspartner den Umsturz in Österreichs größter Medienorgel (© Gerd Bacher) rigoros durch, dann könnte das auch Auswirkungen auf Bereiche und ORF-Mitarbeiter haben, die einfach nur qualitative Arbeit leisten. Wie etwa jene, die für Öffentlichkeitsarbeit zuständig sind, für Marketing, für die ORF-Enterprise oder die sich als Landesdirektoren bewährt haben. Einfach gute Manager, die dem ORF laufend zu seinen hervorragenden, prall gefüllten Auftragsbüchern verhelfen.

Alle die auszuwechseln – das haben wir bei jedem Take Over der Geschichte gelernt – bedeutet immer, ein Unternehmen nachhaltig zu schwächen. Und jene internationalen Mediengruppen, die dem ORF ans Eingemachte gehen wollen, werden sich das nicht zwei Mal anschauen. Sondern haifischartig nach jedem Stück vom Käse schnappen, das ungeschützt auf dem österreichischen Medienteller herumliegt.

Nicht gut für eine ausgewogene heimische Medienlandschaft, meint

Ihr

 

Telekratius

Der alles sagt.

Nur nicht seinen Namen.

Bildcredit: Vadimsadovski/stock.adobe.com