K-Effekt statt K-Wort: Die Kärntner Agenturen präsentieren sich ihren Auftraggebern als Partner und Begleiter auf Augenhöhe und zeigen ihnen, dass sie selbst unternehmerisch denken.
Die Agenturlandschaft Kärntens ist nach wie vor von Ein-Personen-Unternehmen geprägt: die eigentliche „Szene“ bilden nicht mehr als 30 oder 40 Werber, lautet die Beschreibung der Branche durch den neuen Fachgruppenobmann Volkmar Fussi. Die Struktur als Eigentümer-Agenturen, sei allerdings eine ihrer wesentlichen Stärken, betont er: „Damit haben unsere Auftraggeber einen Gesprächspartner auf Augenhöhe, das ist nicht zu unterschätzen.“ Dieses Asset kam unlängst der Agentur White House zugute. Diese hat ihre Wurzeln in Kärnten, unterhält aber seit Jahren auch einen Standort in Wien. Die südosteuropäische Agenturgruppe Digitel Pristop Group erwarb 51 Prozent an der Agentur, um sich mit einem ansässigen Partner ein Standbein am österreichischen Markt zu verschaffen. Die Wahl fiel auf White House, nicht nur weil ihre Arbeitsweise sowie ihr Fokus auf Strategie und Beratung zur Gruppe passe, erläutert Tomas Vucurevic, COO der Digitel Pristop Group: „White House ist so wie unsere Gruppe inhabergeführt. Und Unternehmen brauchen heute maßgeschneiderte Lösungen, die von Partnern erarbeitet wurden, die selbst unternehmerisch denken.“
Die Digitel Pristop Group ist der größte Anbieter von Marketing- und Kommunikationsdienstleistungen in Südosteuropa und erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von mehr als 93 Millionen Euro. Sie ist derzeit in neun Ländern vertreten; die Expansion in weitere Märkte ist in Vorbereitung.
Ziel der Agenturkooperation sei es, künftig österreichischen Unternehmen, die in der SEE-Region tätig sind und internationalen Unternehmen, die von Wien aus diese Märkte bearbeiten, eine umfassende Betreuung anbieten zu können, unterstreicht White House-Geschäftsführer Vinzenz Stimpfl-Abele: „Wir agieren als One-Stop-Shop für die gesamte Region zwischen Athen und Wien.“
Kunden, die Kampagnen in mehreren SEE-Ländern starten wollen, haben mit White House nur einen Ansprechpartner, versichert der Agenturchef: „Wir garantieren, dass er in jedem Land seine Kampagne bekommt, die aber gemeinsam mit den Spezialisten vor Ort auf die Eigenheiten, typischen Eigenschaften und medialen Schwerpunkte der jeweiligen Märkte heruntergebrochen wird. Die Kombination von Effizienz und Direktheit in der Kundenbetreuung einerseits und maßgeschneiderten, länderspezifischen Lösungen andererseits kann niemand anderer in Österreich bieten.“
Land der Gegensätze
Am unmittelbaren Heimmarkt konnte sich White House in einem Pitch die Hörfunkspots für die Sommerkampagne 2010 der Kärnten Werbung sichern: sie werden nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern und Baden-Württemberg zum Einsatz kommen. „Kärnten ist ein Land voller Gegensätze und genau das macht seine Schönheit aus“, erklärt Vinzenz Stimpfl-Abele den kreativen Ansatz: „Durch scheinbar widersprüchliche, nicht der Realität entsprechende Formulierung wird in den Spots genau dieses facettenreiche Bild transportiert. Die Aussagen sorgen sofort für Aufmerksamkeit beim Zuhörer. Die bewusst genussvoll gesprochenen Texte machen Lust auf Kärnten.“
Aktuelles „Kärnten-Projekt“ von White House ist auch die werbliche Betreuung von Klagenfurt Tourismus. Die Landeshauptstadt wird in Foldern und Schwerpunkt-Packages als Städte-Destination mit breitem Urlaubsprogramm präsentiert.
Unter dem Motto „Wunderbare Werbung, frisch vom Baum“ haben Mag. Manfred Sadjak (actis communications) und Ernst Bachinger (Werbeagentur Bachinger) die Agentur-Allianz Wunderbaum ins Leben gerufen. „Wir werden unsere Ressourcen an Kreativ-Power, Netzwerken und Kontakten verschmelzen und so unseren Kunden ein größeres Leistungsspektrum bieten. Auch im Neugeschäft wird Wunderbaum ein gutes Argument sein, uns zu Präsentationen einzuladen. Die gebündelte Expertise zweier Netzwerke und das hohe Kreativitäts-Potenzial machen uns zur ersten Wahl, wenn in Kärnten eine professionelle Agentur mit Top-Referenzen gesucht wird“, ist Ernst Bachinger überzeugt.
Erste Etat-Gewinne würden das Wunderbaum-Konzept bestätigen. Die Wettbewerbspräsentation der Firma ENERGETICA, einer der größten Produzenten von Solarelementen, wurde gewonnen sowie der Auftrag zur Neugestaltung des Image-Auftritts für Signum – eine der größten industriellen Siebdruckereien Europas – erteilt.
Die Kreativ-Kampagne „Der K-Effekt“ wurde Kärntner Managern im Rahmen von Initiativ-Präsentationen angeboten: „Die funktionierende, innovative Wirtschaft in Kärnten kommt durch die Landespolitik zum ‚Handkuss‘. Da wollen wir nicht nur dagegen anreden, sonder etwas Wirksames tun“, erläutert Bachinger die Wunderbaum-Initiative. „Wir wollen das angeschlagene Landesimage auf ungewöhnliche Art wieder zurecht rücken. Vor allem junge Leute sollen sich in einem ‚anderen‘ Kärnten sehr willkommen fühlen.“
Von neuen Kunden kann auch Ursula Mayer, Geschäftsführerin von mp.creations, berichten: „Erfreulicherweise hat das böse ‚K-Wort‘ keine nennenswerten Auswirkungen für uns gehabt. Die eine oder andere Tür ist aus wirtschaftlichen Gründen zugegangen, aber wie das Sprichwort schon sagt‚ dafür gehen wieder andere auf. Mit der Spezialisierung auf Industriebetriebe, die wir seit der Gründung der Agentur im Jahr 2002 forciert haben, liegen wir goldrichtig.“ Dazugekommen sind Lindner Recyclingtech, Goerner Kartonagen, FlowServe Austria - Control Valves und Austria Wien Pipeline (Projekt „40 Jahre AWP“).
„Wir sind noch immer ein ‚kleiner, feiner Laden‘, der auf ein gut funktionierendes Netzwerk setzt und so für Kunden immer punktgenaue und individuelle Lösungen bietet“, versichert Mayer: „mp.creations sieht sich als unkonventioneller Lieferant für Kreativität im Zusammenhang mit der Entwicklung von Corporate Identities, Corporate Designs und der Durchführung von Events. Wir sind auch gerne Partner für ein kreatives Powerplay mit anderen Agenturen, wenn es der Sache und dem Kunden dienlich ist.“
Masterplan
Zu den wichtigsten Projekten der Werbeagentur Fussi gehörte während der letzten Monate die Neukonzeption des bestehenden Center-Magazins für den Kunden ATRIO Shopping Center in Villach, auch die Familien-Erlebniswelt im ATRIO wurde einem Rebranding unterzogen. „Wir haben nach der intensiven Phase der Wahlwerbung für die Landtags- und Gemeinderatswahlen im März 2009, in die wir zentral eingebunden waren, noch ein sehr gutes Jahr 2009 hingelegt“, bemerkt Agenturchef Volkmar Fussi, „aber heuer spüren wir, dass die Auftraggeber mitunter sehr zurückhaltend sind. Wir hoffen, dass es im Herbst wieder anzieht. Wir sind derzeit verstärkt gefordert, aktiv zu akquirieren.“
Als Fachgruppen-Obmann hat Fussi nach der Konstituierung des Fachgruppen-Ausschusses die Erarbeitung eines Masterplans für die nächsten fünf Jahre vorangetrieben: „Er beinhaltet unter anderem den Aufbau einer Qualitätsmarke für Werbung aus Kärnten sowie neuartige Veranstaltungsformate zum Netzwerken und Weiterbilden. Als neu gewählter Obmann ist es mein Ziel, die Werbebranche in Kärnten nachhaltig zu stärken und mit neuen Angeboten und Aktivitäten der Fachgruppe möglichst nahe an den Bedürfnissen der Mitglieder zu sein. Die Mitglieder sollen sich von uns erstklassig vertreten und bei uns gut aufgehoben fühlen.“
Bei der Schlacher Werbeagentur war man zuletzt mit der Kampagne für die City Arkaden Klagenfurt sowie mit Arbeiten für Jurtin medical Systemeinlagen und Wild Hi-Precision beschäftigt. Besonders stolz ist Geschäftsführerin Mag. Gerda Schlacher auf den Nachhaltigkeitsbericht von Assmann Ladenbau Leibnitz, der soeben erschienen ist: „Wir waren für Konzept, Text sowie Grafik zuständig. Stolz bin ich auch deshalb, weil unser Kunde Assmann in seinem Geschäftsfeld eine Vorreiterrolle einnimmt und bereits viele konkrete Schritte zu CSR unternommen hat.“ Zu den allgemeinen Trends zählt Mag. Gerda Schlacher einerseits die Veränderungen durch das Internet mit seinen vielfältigen Social-Media-Bereichen: „Es herrscht ein großes Neben- und auch Gegeneinander, vergleichbar mit einem Orchester, in dem sich immer mehr Instrumente befinden, deren Zusammenspiel noch viel zu wenig geprobt wurde.“ Andererseits sei ein starker Rückgang an Qualitätsbewusstsein vorhanden: „Vor allem in den Bereichen Fotografie, Grafik aber auch in der Sprache. Viele Werber wissen nicht mehr, was eine korrekte Grammatik ist, verstecken sich permanent hinter Anglizismen oder verwenden nur um einen ‚guten Sager‘ zu haben, völlig unsinnige Formulierungen. Etwas Selbstgestricktes – im schlechtesten Sinn des Wortes – ist heute kommunikationstauglich.“
Gerda Schlacher wird ihre Agentur künftig noch viel stärker als Beratungsunternehmen für ganzheitliche und nachhaltige Unternehmenskommunikation präsentieren: „Kommunikationsberatung wird gerade dann, wenn es ganz viele Spezialisten gibt, zu einem großen Bedürfnis von Unternehmen werden. Unterm Strich profitieren Kunden am meisten von jenen, die ihr ‚Handwerk‘ wirklich verstehen, also keine Abstriche in Qualität und Weiterbildung machen. Ich habe gerade eine vierjährige Coachingausbildung abgeschlossen, um die besondere Beratungsqualität zu unterstützen. Eines unserer wesentlichen Assets ist es, die Kunden mit ihren Bedürfnissen wahrzunehmen und ihnen zu helfen, Potenziale zu entwickeln.“
Nach dem Motto „Gemeinsam statt einsam erfolgreicher denn je“ haben Agenturinhaber Freddy Mautendorfer von der gleichnamigen Werbeagentur und Barbara Kuttnig vom txt.buero beschlossen, zusammen nach umfassenden Lösungen für ihre Kunden zu suchen: „Mit Hirnschmalz, Motivation und Engagement, die nicht mit der Größe der Kunden abnehmen“, unterstreicht Barbara Kuttnig: „Dass das Konzept aufgeht, beweisen nicht zuletzt drei Twister, die wir 2010 beim größten Kärntner Werbepreis abgeholt haben.“
Die Jury lobte besonders den Preis in der Kategorie „Online kreativ“, mit dem die eigene Website www.mautendorfer.at prämiert wurde. Die Kampagne für das Viersterne-Landgenusshotel „Forelle“ am Weißensee überzeugte beim KMU-Preis der Kelag, und „voll im Bilde“ war man mit dem Kleine Zeitung Mediapreis: denn das Inserat für www.kaernten.tv kam bei den Lesern der Kleinen Zeitung am besten an. Weitere Kunden von Mautendofer und txt.buero sind Kärnten Werbung, Entwicklungsagentur Kärnten, Kinderhotels Europa, Magistrat Klagenfurt, Berlinger System Engineering, Durst Phototechnik u.a.m.
Bild: creations
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