Eine Jury, 27 Experten, 888 Gekürte – und ein Ergebnis, das knapper nicht hätte sein können: Beim heurigen ExtraDienst-Marketingleiter-Ranking gibt es gleich 2 erste und 2 dritte Plätze. Die Coverstory wird garniert mit Expertisen akademischer Koryphäen und mit Portraits ausgewählter Neueinsteiger und Umsteiger.  

 

weiterlesen...


Harald Fidler: Mitten im Schlachten

Zu einem veritablen Mediengipfel geriet gestern die Buchpräsentation des Standard-Medien-Journalisten und etat.at Machers Harald Fidler in der Wiener Bundeswettbewerbsbehörde (BWB). Bild (v.l.): Anneliese Rohrer, Fidler & Armin Thurnher.


Vorgestellt wurde ein komplettes Lexikon mit 1000 Stichwörtern namens: "Österreichs Medienwelt von A bis Z".

 

Freilich hätte Fidler als Titel "Mitten im Schlachten" auch gut gefallen (jede Ähnlichkeit mit einer nicht gerade rasend erfolgreichen ORF Daily-Soap wäre natürlich absolut zufällig gewesen...) 

 

Eine gewisse Logik hätte der Schlacht-Titel durchaus gehabt. Zumal Fidler sein zweites, mittlerweile als Standardwerk geltendes Buch, in Anspielung auf Hans Dichands Oeuvre  "Im Vorhof der Schlacht"  benamste.

 

Jedenfalls: wenn Fidler auch nicht wirklich ruft, kommen trotzdem alle. Von Oscar Bronner über Pius Strobl und Josef Kalina bis Alfred Grinschgl und Georg Spatt bot sich ein repräsentativer Querschnitt der heimischen Medienelite.

 

Einen offiziellen Part als Förderer spielte neben der BWB die Österreichische Marketing-Gesellschaft. Für die beiden Institutionen kamen zu Wort: Dr. Theodor Tanner (GD der BWB) sowie Mag. Peter Drobil (Präsident der ÖMG).

 

Spannend die Besetzung des Podiums: neben Autor Fidler bemühte sich Ausnahme-Publizist, Verleger und Falter-Chefredakteur Armin Thurnher um pointierte Kurzweil und eine gewisse Gesprächskultur.

 

Thurnher (in dessen Verlag Fidlers Bücher erscheinen): „Dieses Lexikon ist ein verlegerisches Abenteuer.“ Nicht zuletzt, da Fidlers Sorgfalt keine Grenzen gekannt habe... (Immerhin galt es schlussendlich einen Nischen-Wälzer von über 630 Seiten zu produzieren – da kann ein gerüttelt Maß an verlegerischem Idealismus keinesfalls schaden...)

 

Als nicht eben unkomplizierte Übung stellte sich die Sache mit der Gesprächskultur heraus. Immerhin holte sich Fidler neben Thurnher die mit Sicherheit streitbarste, politische Journalistin dieses Landes aufs Podium: Grande Dame Anneliese Rohrer schwang das Staberl, dass es eine polemische Freude war.

 

Rohrer sprach wörtlich von einer „Versauung“ des Journalismus in Österreich. Zeichnete ein tief-prekariatäres Sittenbild vom Nachwuchs der Zunft. Und skizzierte eine verhängnisvolle Affäre: „Medien wollen billige Arbeitskräfte – die Politik unkritische Berichterstattung“ .

 

Rohrer fehle definitiv ein Medien-Kollektivvertrag. (Hier scheint allerdings einiges in Bewegung zu kommen. Hermann Petz – CEO der Moser Holding – will exakt dieses Thema beim nächsten VÖZ-Vorstand zur Diskussion stellen. Mehr dazu im Interview mit Petz, das im kommenden ED Anfang Dezember erscheint.)

 

Zurück zu Rohrer: frei nach dem Motto "Journalismus ist Übertreibung" erklärte sie frank und frei (und nahm sich dabei keineswegs aus) alle Unterzeichner der seinerzeitigen Aktion SOS-ORF als mitschuldig am heutigen Zustand der Anstalt. Denn lediglich aufgrund dieser Initiative sei es möglich gewesen, dass ein derart unfähiges Management ans Ruder gekommen sei. Welches man in jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen aufgrund der desaströsen Performance sofort nach Hause schicken würde.

 

Freilich: der wortgewaltige Kommunikator des ORF Pius Strobl traf ein wenig zu spät ein, um diese Brutalbreitseite ripostieren zu können. In seiner Anwesenheit wurden die Töne gegen den Kü’berg deutlich sanfter.

 

Schlussendlich entspann sich mit Publikumsbeteiligung eine Diskussion darüber, wie sinnvoll ein gedrucktes Lexikon im Internet-Zeitalter sei. Und ob das Web eventuell bessere emanzipatorische Chancen biete, als herkömmliche Medien.

 

Dazu: Fidlers Lexikon ist kein Lexikon im herkömmlichen Sinne. Auch wenn es die Möglichkeit beinhaltet, nach "Washingtoner Art“ – so Rohrer – gelesen zu werden. Was das sei? Das Buch beim Nachnamens-Buchstaben aufschlagen und schauen, ob man vorkommt...

 

Für ein Lexikon bietet Fidlers launige Bestandsaufnahme der österreichischen Medienwelt definitiv zuviel Lesevergnügen. Auch ist es bei herkömmlichen Vertretern dieser Buchgattung wenig  üblich, sich zu einzelnen Stichworten über 80 Druckseiten hinweg auszutoben.

 

Außerdem: Selbstverständlich nutzt Fidler als Online-Vorreiter die Annehmlichkeiten des Web. Alle Aktualisierungen und Ergänzungen zum „Medienlexikon“ sind unter dieMedien.at zu finden.

 

Jetzt im Buchhandel oder direkt im Online-Shop des Falter-Verlages: 

 

Harald Fidler: "Österreichs Medienwelt von A bis Z";

632 Seiten für 48 Euro,--

 

foto: andrea niederkofler (leica digilux)

 

 

 

 

 

 

 

>Um einen Kommentar zu diesem Artikel zu schreiben, klicken Sie bitte hier<