Geteert & Gefedert

  

Es war ein turbulentes Jahr. So manche Agentur musste viele Federn lassen, dem einen oder anderen Etat hinterherwinken.  Andere bekamen zur Butter auch noch die Marmelade aufs Brot serviert. Massive Verschiebungen kennzeichnen das ED-Focus Ranking 2011.

 

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Posting-Boulevard

Gegen die Foren auf derstandard.at sind die Leserbriefseiten der ‚Kronen-Zeitung‘ ein Lercherl. Besonders ungustiös wurde es in den Kommentaren zum Tode Hans Dichands. Wird solches im Namen der Reichweite bewusst in Kauf genommen? Gerlinde Hinterleitner, GF derstandard.at, nimmt dazu Stellung.


ED: Frau Hinterleitner, die Berichte zum Tod von Hans Dichand auf etat.at wurden durch unzählige Postings kommentiert. Wurden diese Threads moderiert? Wurden Postings gelöscht?

Hinterleitner: Ja, es wurden Postings aussortiert und gelöscht.

 

ED: Wie viele waren das?

Hinterleitner: Das kann ich Ihnen genau sagen, da wir eine Auswertung gemacht haben. 35 Prozent aller Postings wurden gelöscht.

 

ED: Wie viele Kommentare hat es insgesamt gegeben?

Hinterleitner: Insgesamt hat es 3356 Kommentare innerhalb einer Woche gegeben. Davon wurden 1180 gelöscht.

 

ED: Dennoch sind viele pietätlose und diskriminierende Postings stehen geblieben …

Hinterleitner: Das will ich jetzt nicht hoffen, dass das tatsächlich der Fall ist …

 

ED: Vielleicht sollten Sie sich die Postings noch einmal ansehen … Anderes Beispiel: In den Kommentaren zum Tod des hoch geschätzten Gastrojournalisten Christoph Wagner hat sich eine lebhafte Diskussion über den Zusammenhang von Übergewichtig und der Erkrankung an Krebs entwickelt. Goutieren Sie solches? Warum bleiben diese Kommentare online?

Hinterleitner: Ich muss ehrlich sagen, die habe ich nicht gelesen …

 

ED: Das liegt allerdings in Ihrer Verantwortung als Geschäftsführerin von derstandard.at …

Hinterleitner: Die Postings, die ich jetzt zu Herrn Wagner lese, sind alle sehr positiv.

 

ED: Wenn für Sie beispielsweise die Postings „Suizid mit Messer und Gabel – ein Wunder, dass er so alt wurde“ oder „Zu Tode genossen – kaum Bewegung und üppige Nahrungszufuhr. Das ist der Stoff zum frühen Tod.“ positiv besetzt sind … Was in diesem Zusammenhang außerdem erstaunt: Anlässlich des Ablebens von Gerhard Bronner sind gezählte vier kritische Postings erschienen. In diesen wurde die Causa „Bronner-Steuerhinterziehung“ komplett aufgearbeitet. Ansonsten war nur Positives zu lesen. Ganz anders als bei Hans Dichand …

Hinterleitner: Das ist nur logisch, da der Herr Dichand eine andere Persönlichkeit mit einer ganz anderen Breitenwirkung ist, als das Gerhard Bronner war.* Ich suche mir die User, die bei uns posten, nicht aus. Ich kann auch nicht bestimmen, was gepostet wird. Die Trennlinie zu ziehen, welche Kommentare zulässig sind und welche nicht, ist keineswegs immer einfach und klar. Ich gebe zu, das stellt uns immer wieder vor große Herausforderungen.

 

ED: Fakt ist, dass der ‚Standard‘ in seinen Foren auf Teufel komm raus boulevardisiert …

Hinterleitner: Wir sehen das anders. Es gibt redaktionelle Berichte und es gibt die Kommentare von Usern dazu. Das ist wie in einer Wirtshausdiskussion …

 

ED: Der Unterschied ist, dass bei einer Wirtshausdiskussion faschistoide Inhalte keine über den Rand des Stammtischs hinausgehende öffentliche Bedeutung haben. Bei den Postings auf etat.at ist das definitiv etwas anders …

Hinterleitner: Klar ist,  neben vielen hilfreichen und konstruktiven Beiträgen wird auch viel ‚Schas‘ gepostet. Deshalb werden unsere Foren auch moderiert. Allerdings gibt es auf derstandard.at täglich rund 12.000 Postings. Das alles zu bearbeiten ist eine Heidenarbeit. Wir sind diesbezüglich sicher nicht perfekt. Aber das ist wohl keine Redaktion. Sie können sich vermutlich kaum vorstellen, welche Beschimpfungen und Zensurvorwürfe wir uns gefallen lassen müssen, weil eben nicht alle Postings ungefiltert online gestellt werden. Das reicht so weit, dass Zeitungs-Abos gekündigt werden.

 

ED: Wenn das so ausufert wie bei Dichand, können Sie sich vorstellen, ein Forum für Postings beispielsweise zu schließen?

Hinterleitner: Das kann ich mir vorstellen. Und das wurde auch schon gemacht. Zum Beispiel beim Tod von Kurt Waldheim oder Jörg Haider.

 

ED: Warum wurde bei Dichand das Forum nicht geschlossen?

Hinterleitner: Weil wir der Meinung waren, in diesem Fall das Forum noch in irgendeiner Art und Weise beherrschen zu können.

 

ED: Danke für das Gespräch.

 

* Anmerkung: Diese Antwort Hinterleitners erscheint mir ganz und gar nicht logisch. Zumal Gerhard Bronner durchaus eine sehr polarisierende Persönlichkeit war. Vielmehr liegt der Schluss nahe, dass Oscar Bronner Weisung erteilt hat, sich die Postings zum Tod seines Vaters genau anzusehen und zu bereinigen. Was bei Dichand nicht der Fall war. Es entsteht der Eindruck, dass der ‚Standard‘ in seinen Foren tiefen Boulevard zulässt, um auf entsprechende Reichweiten zu kommen. Dieser Boulevard ist schlimmer, als jener der ‚Kronen-Zeitung‘ und dient offenbar der Gewinnmaximierung. Es gibt in den etat.at-Foren keinen Respekt vor dem Tod. Und viele gewichtige Branchenproponenten würden im etat-Forum lieber nicht vorkommen (siehe auch die Statements auf den folgenden Seiten). Was verständlich ist. Keiner will anonym mit Schmutz beworfen und angepinkelt werden. cemu

 

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Bild: derstandard.at

 

 

 

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