Wegen Foto wird SPÖ-Politiker handgreiflich. Heftige Reaktionen wegen Behinderung der Pressearbeit.
Dass das Parlament kein Mädchenpensionat ist, hat schon einmal ein Politiker erklärt. Doch gestern gab es einen handfesten Eklat: Denn SPÖ-Abgeordneter Christian Faul (Bild) attackierte einen Fotografen, weil er sich offensichtlich gestört fühlte. Der auf die Journalistengalerie stürmende Politiker hatte dem Fotografen so stark am Kameragurt zurückgerissen, dass diesem der Kamerasucher ins Auge gestoßen ist und er über Schmerzen klagte. Faul bestreitet Gewalt, beschwerte sich jedoch, dass der Fotograf seine Unterlagen fotografieren wolle.
Dabei ist Faul - im Brotberuf Hauptschullehrer - kein unbeschriebenes Blatt. Bereits am 19. Mai 2009 sorgte er für Aufsehen, als er am Rednerpult des Nationalrats den BZÖ-Abgeordneten Gerald Grosz beschimpfte, indem er sagte: „Sie sind für mich im Sternzeichen ein Krokodil: eine große „Papp’n“ und ein kleines Hirn.“ Das BZÖ äußerte daraufhin die Vermutung, dass Faul unter Alkoholeinfluss stand, worauf sich dieser einem freiwilligen Alkoholtest unterzog, welcher 0,0 Promille ergab.
Der stellvertretende BZÖ-Chef Grosz brachte erneut eine mögliche Alkoholisierung des Attackierenden ins Spiel und forderte die SPÖ auf, „sich von solchen Berufs-Tschecheranten zu trennen“.
Die Vereinigung der Parlamentsredakteure protestierte scharf, dass Pressevertreter bei ihrer Arbeit behindert werden. Auch die APA-Chefredaktion unterstreicht die Aussagen des Vereins der Parlamentsredakteure, dass die freie Berichterstattung in Wort und Bild zu den Wesensmerkmalen des demokratischen Systems in Österreich zählt.
Zu entsprechenden Medienberichten stellt die APA der Vollständigkeit halber klar, dass es sich bei dem genannten Fotografen nicht um einen Mitarbeiter der Austria Presse Agentur handelt. Dies hatte zumindest die Tageszeitung „Österreich“ in ihrer heutigen Ausgabe behauptet.
Foto © SPÖ